Futterumstellung beim alten Pferd – ein Erfahrungsbericht (3)

Futterumstellung beim alten Pferd - ein Erfahrungsbericht Folge 3: Auf Futtersuche

Nachdem alle Werte hinreichend analysiert waren, ging es für mich nun an die schwierigste Aufgabe: Das richtige Futter für Mr zusammenstellen. Bevor ich allerdings aufbrach, um mich durch die Angebotspalette der Futterhändler zu wühlen, überlegte ich zunächst, was Mr schon bekommt und an welchen Stellen sich die Fütterung optimieren lässt.

Status quo: Mr's Futterplan vorher

Als wir die Haarprobe genommen haben, hatte Mr bereits seit einigen Monaten gleichbleibende Futterrationen sowie nach Bedarf Zusatzfutter bekommen. Neben der Grundversorgung mit Heu standen vor allem Hafer und mineralisierte Pellets auf seinem Speiseplan. Zusätzlich bekam er kurweise Leinöl und eine Kräutermischung, um die Nierentätigkeit anzuregen (die ist in flüssiger Form im Handel ab ca. 15 Euro pro Liter erhältlich). Darüber hinaus fütterte ich ihm Kraftfutter auf Reisbasis, das als besonders verdaulich gilt, um an den Tagen, an denen er geritten wurde, seinen Energiebedarf zu decken. An „Stehtagen“ bekam er Mash – ebenfalls, um seinen Magen zu unterstützen.

Schritt eins: Das Kraftfutter

Aufgrund seiner trotz aller Unterstützung erhöhten Nierenwerte entschied ich mich als Erstes, in Zukunft völlig auf Pellets zu verzichten, da diese oft besonders viele Phosphate enthalten. Stattdessen sind wir auf ein Müsli mit hohem Fasergehalt (Luzerne) und auf Dinkelbasis umgestiegen. Das ist leicht verdaulich und der Phosphorwert ist mit 0,6 Prozent niedrig.

Zudem ist es reich an Vitaminen und Spurenelementen – unter anderem enthält Mr’s Tagesration Müsli rund 920 Milligramm Zink, 120 mg Eisen, 220 mg Mangan und je 2,2 mg Selen und Cobalt. Damit liefert es eine großen Teil der bei Mr knappen Stoffe, wenn es auch nicht den Tagesbedarf deckt.

Vorsicht bei Mash

Mash ist gut für die Verdauung der Pferde und eignet sich besonders als magenschonendes Futter für empfindliche Pferde oder nach Koliken. Das liegt am hohen Anteil von Kleien und Ölsaaten. Sie enthalten übrigens auch Chrom und Vanadium, die Mr fehlen. Aber Vorsicht: Über einen längeren Zeitraum täglich Mash zu füttern kann laut unserer Tierärztin schädlich sein. Die Bestandteile aktivieren zwar die Schleimstoffe der Magen- und Darmwand und regen die Verdauung an, gerade an Tagen mit wenig Bewegung durchaus sinnvoll, gleichzeitig nimmt der Körper dadurch aber mehr Kohlenhydrate auf, was gerade bei stoffwechselempfindlichen Pferden kontraproduktiv sein kann. Außerdem kann sich die Darmflora im Dickdarm verändern: Die Mischung legt sich wie ein Film darüber und blockiert die Nährstoffaufnahme.

Die Kraftfutterrationen von Mr setzen sich also jetzt aus Hafer und Müsli zusammen und werden weiter mit Leinöl und Nierenkräutern ergänzt. Die Müslimenge passe ich jeden Tag an sein Arbeitspensum an – ein großer Vorteil, wenn man selbst das Futter vorbereitet. An Tagen, an denen wir nur spazieren gehen, ersetze ich seine abendliche Müsliration einfach durch Mash.

Schritt zwei: Das Mineralfutter

Schwieriger wurde die Wahl des richtigen Mineralfutters, um das Müsli sinnvoll zu ergänzen. Dazu bat ich unsere Tierärztin um Hilfe. Gängige Mischungen, die speziell für ältere Pferde konzipiert sind, schloss sie zu meiner Überraschung für Mr sofort aus – zu wenig Calcium, zu viel Phosphor. Ihr Tipp: Joker Mineral von Josera. Die Mischung besteht zu zehn Prozent aus Calcium, aber nur zu 2,5 Prozent aus Phosphor.

Die Firma Josera fand die Idee, die Futterumstellung im Labor zu verfolgen so gut, dass Sie uns nachträglich mit Mineralfutter für sechs Monate unterstützt. Foto: Lena Reichmann

Außerdem enthalten die Mineralpellets neben Mangan und Selen, die Mr laut Analyse fehlen, weitere wichtige Mineralstoffe. Obwohl die Kombination aus Müsli und Mineralfutter Mr’s täglichen Bedarf deckt, setzte ich in den ersten Wochen auf eine erhöhte Dosierung des Mineralfutters, um die Mängel zu bekämpfen – also quasi die Speicher wieder aufzufüllen. Statt der für ihn empfohlenen 100-150 Gramm bekam Mr 200 Gramm der Mischung.

Viele Mineralfuttersorten sind übrigens verwirrend beschriftet: Die Angaben in Milligramm, Nanogramm und Prozent sind wild zusammengewürfelt, manche Mengenangaben fehlen komplett. Wer sich nicht zutraut, das selbst umzurechnen, sollte einen Tierarzt fragen. Generell wirken aber auf mich Sorten, auf deren Verpackung die Inhaltsstoffe klar deklariert sind, vertrauenerweckender.

Schritt drei: Calcium und Magnesium

Um den massiven Calcium- und Magnesiummangel auszugleichen, musste ich zusätzlich, zumindest solange, bis die Werte sich normalisiert haben, härtere Geschütze auffahren. Da Mr ein sehr unruhiges Verhalten an den Tag legte, schien mir Magnesium dringender benötigt zu werden. Also begann ich damit. Weil sich die Wissenschaft nicht darüber einig ist, ob der Körper Calcium und Magnesium gleichzeitig aus der Nahrung aufnehmen kann, entschied ich mich, beides einzeln als Kur zu füttern. 

Für sechs Wochen bekam er nun täglich 30 bis 40 Gramm Magnesiumpulver (im Internet als Magnesia Chalk für 15 Euro/ 2,5 kg erhältlich, auf Arzneiqualität achten).

Danach stellte ich ihn auf Futterkalk (im Internet ca. 8 €/ 2,5 kg) um, damit auch der Calciumhaushalt wieder ins Gleichgewicht kommt. Der belastet jedoch auf Dauer die Nieren, auch weil er viel Phosphor enthält, weshalb ich die Gabe auf wenige Wochen begrenze und gleichzeitig die Dosierung der Nierenkräuter erhöht habe.

Turner benutzen es für mehr Halt am Reck, Mr bekommt es ins Futter: Magnesiumpulver. Foto: Simon Leitsch
Schritt vier: Silicium

Den Siliciummangel bekämpfe ich aktuell mit einem Kieselgur-Präparat (ab ca. 15 Euro/ 4kg erhältlich; Achtung: günstigere Produkte sind niedriger dosiert). Das bekommt er im Gegensatz zu den anderen Mineral-Präparaten abends. Eine gleichzeitige Fütterung von Kieselerde und Mineralfutter ist nicht empfohlen, der Körper nimmt dann unter Umständen nicht alles vollständig auf. Auch hier habe ich die Dosierung zunächst für einige Wochen etwas höher angesetzt, um Mängel auszugleichen. Inzwischen bekommt er aber die normale Dosis.

In Kürze: Mr's aktueller Futterplan
Müsli, Kräuter, Pulver und Mineralpellets: Mr's morgendliche Futterration. Foto: Lena Reichmann

Mr bekommt nun folglich zweimal täglich je ein Kilo Hafer. Dazu bekommt er morgens ein Kilo Müsli, 150 Gramm Mineralfutter, 40 Gramm Magnesiumpulver bzw. ca. 20 Gramm Futterkalk, einen Schuss Leinöl und Nierenkräuter. Abends bekommt er entweder 500 Gramm bis ein Kilo Müsli oder eine Portion Mash. Beides ergänze ich mit 35 Gramm Kieselgur und Nierenkräutern.

In der nächsten Folge ist die Zeit für eine erste Zwischenbilanz gekommen: Wie nimmt Mr das neue Futter an und welche Veränderungen zeigen sich nach den ersten Wochen?

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