Bundeschampionate in der Kritik

Bundeschampionate in der Kritik

Reiter, Züchter, Tierärzte und Pferdefreunde kritisieren die FN. Die hatte bereits nachgebessert. Ohne Erfolg?

Die Bundeschampionate lockten am vergangenen Wochenende Züchter, Reiter und jede Menge Pferdesportinteressierte auf das DOKR-Gelände in Warendorf. Traditionell treten dort kurz vor Ende der Saison die hoffnungsvollsten Nachwuchspferde gegeneinander an. Doch in diesem Jahr wurde von mehreren Stellen Kritik an der Veranstaltung laut.

Kleinere Starterfelder, weniger Zuschauer und Probleme bei der Unterbringung, vor allem der jungen Hengste: Es scheint an unterschiedlichen Stellen zu haken. „Mit unseren Pferden sind wir richtig zufrieden, organisatorisch und vom Verlauf des Bundeschampionats machen wir uns – ‘uns’, weil ich da für sehr viele Springreiter spreche – ein wenig Gedanken“, schreibt Rene Tebbel auf seiner Homepage.

Neuerungen bei der Unterbringung

Lediglich 83 sechsjährige und 68 fünfjährige Springpferde waren auf der Burandtwiese an den Start gegangen, qualifiziert hatten sich drei- bzw. viermal so viele. Doch warum verzichteten so viele Besitzer darauf, ihre Pferde bei dem prestigeträchtigen Event an den Start zu bringen? „Die Bedingungen sind – verglichen mit anderen Turnieren heutzutage – einfach nicht so, wie man es von einer solchen Veranstaltung erwarten würde: die Böden, der Stallbereich, die Tribünen…“, schreibt Tebbel.

Punkte, die Turnierleiter Markus Scharmann bekannt sind. „Wir wissen, dass wir uns verbessern müssen“, räumte er St. Georg gegenüber ein. So hätten die Boxen etwa auf Gras statt auf Sand aufgebaut werden müssen. Problematisch sei auch die Unterbringung der über 200 Hengste in den Stallzelten, denn es gebe dort nicht genügend Eckboxen. Hengsthalter müssen deshalb zusätzliche Kosten in Kauf nehmen, wenn sie speziell gesicherte Boxen haben möchten, um Ärger mit Nachbarpferden zu verhindern.

Einige Neuerungen hatte es in den Ställen in diesem Jahr jedoch tatsächlich schon gegeben: Der Veranstalter hat die Zahl der Pferde in den Zelten reduziert und die jüngsten Teilnehmer in festen Boxen untergebracht. Dadurch sollte der Stress für die Tiere reduziert werden.

Tierärztin schreibt offenen Brief

Kritik an der Veranstaltung äußerten erneut Tierschützer. Tierärztin Dr. Kisten Tönnies, Mitglied der Jury, die den Tierschutzpreis des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft übergeben hat, fand besonders deutliche Worte. In einem offenen Brief an die FN kritisierte sie, wie bereits in den Jahren zuvor, mangelnde Kontrollen zu eng verschnallter Reithalfter bei den Dressurpferden- und ponys.

Dr. Kirsten Tönnies ist bereits seit mehreren Jahren Mitglied der Jury des BMEL-Tierschutzpreises. Schon 2015 kritisierte sie das Turnier und, allen voran, die Stewards und Tierärzte an den Abreiteplätzen scharf in einem offenen Brief. Die FN nahm dazu ausführlich Stellung und wies die Vorwürfe entschieden von sich. Kirsten Tönnies habe sich eigenmächtig an Kontrollen beteiligt, was nicht zu ihren Aufgaben als Jurymitglied gehörte, hieß es außerdem. Seitdem ist die Kleintierärztin an unterschiedlicher Stelle als Reitsport-Kritikerin in Erscheinung getreten.

Sie regte außerdem an, die Gebisskonstruktionen, mit denen einige Reiter im S-Springen der Siebenjährigen starteten, noch einmal aus tierschutzrechtlicher Sicht zu überdenken: „Selbst wenn in S-Springen praktisch alles erlaubt ist, so sollten auch im Sinne einer Öffentlichkeitswirkung Überlegungen angestellt werden, ob auf einer Nachwuchssichtung solche Ausrüstungsgegenstände, zugelassen werden müssen.“

Tierschutzpreis wird diskutiert

22 Reiter sowie die Züchter der erfolgreichsten Pferde erhielten in diesem Jahr wieder einen Tierschutzpreis des Bundeslandwirtschaftsministeriums. Eine Auszeichnung, die gerade in den sozialen Medien kritisch diskutiert wird. Tiergerechter Umgang mit dem Partner Pferd solle eine Selbstverständlichkeit sein, der Preis sende falsche Signale, so der Tenor. Richter sollten stattdessen lieber diejenigen bestrafen, die gegen die Regeln verstoßen. Immer wieder wird in diesem Zusammenhang auch über die hohen Anforderungen diskutiert, denen sich die jungen Pferde in Warendorf stellen müssen.

FN zeigt sich offen für Kritik

Die FN greift all diese Punkte in ihrem Turnierfazit nicht auf. „In insgesamt 53 Prüfungen bewiesen die vierbeinigen Nachwuchshoffnungen vor 35.600 Besuchern eindrücklich den Erfolg der deutschen Pferdezucht“, heißt es dort. Allerdings seien Markus Scharmann, der in diesem Jahr erstmalig die Leitung des Turniers übernommen hatte, und seine Mitarbeiter „immer auf der Suche nach Verbesserungen“. Scharmann sagt: „Ich lade jeden herzlich ein, sich konstruktiv an der Weiterentwicklung der Bundeschampionate zu beteiligen.“

Text: Lena Reichmann

Titelbild: Veranstalter

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