Corona-Folgen im Pferdesport: „Es wird knapper werden“

Corona-Folgen im Pferdesport: „Es wird knapper werden“

Was zu teuer ist, muss weg: Spediteur Friedrich Johannsmann beobachtet erste Veränderungen im Reitsport in der Covid-19-Krise.

Die Corona-Krise macht auch vor dem Reitsport keinen Halt: Gerade all jene, die ihr Geld mit Pferden verdienen, spüren die Folgen der weltweiten Pandemie in diesen Tagen deutlich: Der Sport kam komplett zum Erliegen, der Handel schwächelt. Und trotzdem muss das Leben weitergehen, denn die Zuchtsaison ist in vollem Gange. Der Transportunternehmer und absolute Branchen-Insider Friedrich Johannsmann aus Steinhagen beobachtet die aktuellen Entwicklungen mit gemischten Gefühlen.

Es fehlen schon Einnahmen. Gerade in Italien ist mir viel weggefallen“, sagt der Spediteur, der seit 45 Jahren Pferde durch ganz Europa transportiert. Sein Geschäft ist in der Krise um etwa 40 Prozent eingebrochen, Fahrten zu großen internationalen Turnieren entfallen komplett. Einen Teil seines Fuhrparks aus bis zu 14 LKW hat er abgemeldet, Aushilfsfahrer werden nicht mehr beschäftigt. So versucht Johannsmann, die Verluste einzudämmen. Verkaufen wird er die Fahrzeuge nicht, denn er erwartet einen Boom nach der Krise.

Pferdehandel nur noch unter Profis

Ganz von der Straße verschwunden sind die grün-weißen Transporter außerdem nicht: Zu Beginn der grünen Saison waren sie vor allem bei Züchtern gefragt, die ihre Jungpferde auf weiter entfernte Weiden bringen wollten, etwa nach Norddeutschland. Und auch zu Handelszwecken griffen einige Kunden auf die Dienste der Spedition zurück. „Da geht es um globale Verbindungen, die über Jahre gewachsen sind“, sagt Johannsmann. Also um Profis, die untereinander mit Pferden handeln. Auch während der Krise.

Im Amateurbereich sah das anders aus. Hier riet die FN vom Pferdekauf ab: „Aus Sicht der FN zählt das Besichtigen von Pferden, um sie zu kaufen, nicht zur Notversorgung“, sagt Verbandssprecherin Julia Basic. Friedrich Johannsmann hatte in den vergangenen Wochen dennoch auch private Kunden. „Viele sind wegen der Beschränkungen verunsichert und trauen sich nicht, weitere Strecken, etwa bei Umzügen, selbst zu fahren“, sagt er. Der gewerbliche Güterverkehr hingegen war zu keiner Zeit eingeschränkt. Johannsmann durfte immer fahren.

 

Online-Auktionen boomen in der Krise

Während der Corona-Krise gab es einen regelrechten Boom bei Online-Auktionen für Fohlen und Reitpferde. Lesen Sie hier mehr über den Trend zum virtuellen Pferdehandel.

Die Krise als Chance für Johannsmann

Dabei hat er bereits die ersten Auswirkungen der Krise beobachtet: „Auf einigen Höfen sind die großen LKW schon verschwunden. Die sind meistens nur gemietet und kosten einen vierstelligen Betrag im Monat.“ Geld, das wohl viele nun sparen müssen. „Es wird knapper werden, wir werden alle an unser Geld ran müssen, um zu überleben“, sagt Johannsmann.

Er sieht in der Entwicklung jedoch auch eine Chance für seinen Betrieb. Denn wenn Reiter keinen eigenen Truck mehr besitzen, müssen sie, sobald der internationale Turniersport wieder anläuft, mit Speditionen zusammenarbeiten.

Text und Titelbild: Lena Reichmann

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