Corona: So erleben Reitsport-Händler den Lockdown​

Corona: So erleben Reitsport-Händler den Lockdown

Geschlossene Läden, abgesagte Messen, Hygieneregeln am Arbeitsplatz: Der Handel kämpft mit der Pandemie.

Die Covid-19-Pandemie bestimmt auch im Frühjahr 2021 weiter nahezu alle Lebensbereiche. Der andauernde Lockdown belastet dabei vor allem die Veranstaltungsbranche und den Handel – auch im Bereich Pferdesport. Pferde-Reich hat mit Betroffenen darüber gesprochen, wie sie das erste Corona-Jahr erlebt haben.

Online-Fachhandel: Fundis Reitsport verstärkt Präsenz im Netz

Die Fundis Reitsport GmbH vertreibt ihr umfangreiches Sortiment aus bekannten Reitsportmarken für Reiter, Pferde und Hunde nahezu ausschließlich in seinem Onlineshop www.fundis-reitsport.de. Bis zum Ausbruch von COVID-19 war der Fachhändler zusätzlich über das ganze Jahr auf Reitturnieren sowie Events mit einem Stand präsent. Simone Blum -Weltmeisterin der Springreiter von 2019, Julia Krajewski -Siegerin beim CHIO in Aachen der Vielseitigkeitsreiter sowie internationale Akteure, die sich mittlerweile von Schweden, Belgien, Frankreich bis nach Amerika erstrecken, werben außerdem erfolgreich als Fundis-Teamreiter für den Onlinehändler. Stefan Fundis, der aus einer Züchter- und Reiterfamilie aus dem Baden-Württembergischen Saurach stammt und selbst erfolgreicher Springreiter ist, liegen insbesondere die Aufbauprüfungen am Herzen. Aus diesem Grund ist die Fundis Reitsport GmbH als Sponsor in der FUNDIS Youngster-Tour oder bei den alljährlich stattfindenden Bundeschampionaten in Warendorf aktiv.

Aus geschäftlicher Sicht hat sich nicht viel verändert. Allerdings sind auch für uns Turniere und Messen ausgefallen, die für die Pflege von Kundenkontakten sehr wichtig sind. Für uns ist und bleibt der direkte Kontakt Teil unserer Marketingstrategie“, sagt Unternehmensgründer und Geschäftsführer Fundis. In der Pandemie hat das Unternehmen dennoch in diesem Bereich nachgesteuert: „Wir haben schon vor Corona stark auf Onlinemarketing gesetzt, der Trend geht weiterhin klar in diese Richtung und daraus folgernd haben wir unsere Budgets erhöht.“

Größer war die Umstellung jedoch hinter den Kulissen. Um das mittlerweile 35 Mitarbeiter starke Team optimal gegen COVID-19 zu schützen, hat Stefan Fundis am Firmensitz in Ilshofen umfängliche Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Die Minimierung der Kontakte untereinander hatte hierbei oberste Priorität. Das Lager ist im Schichtsystem und ein Großteil der Bürokräfte im Homeoffice tätig. So steht das Unternehmen seinen Kunden auch weiterhin mit voller Kraft zur Verfügung.

Lokaler Anbieter: Geschenkissimo durch Wegfall von Events in Not

Michael Meckelein betreibt in Üttingen in Bayern unter dem Namen „Geschenkissimo“ einen Handel für Geschenkartikel. Zu seinem Sortiment gehören auch personalisierte Accessoires für Reiter wie Boxenschilder oder Stiefelknechte. 2014 ist sein Geschäft aus einem lokalen Geschenkeladen hervorgegangen. Noch heute sind handgefertigte Produkte das Aushängeschild der Marke. Meckelein vertreibt sie vor allem über sein Geschäft und auf Veranstaltungen. Seit 2017 gibt es außerdem den Online-Shop www.geschenkissimo.de .

Der Umsatz ist im ersten Lockdown von März bis Mai um 70 Prozent eingebrochen“, sagt der Inhaber. „Wir haben dann massiv in Online-Marketing investiert und zuletzt das Dreifache unseres gesamten Werbebudgets nur für Online-Werbung ausgegeben. So konnten wir zwar die Umsatzeinbußen auf zehn bis 20 Prozent reduzieren, allerdings ist der Gewinn gleichzeitig extrem geschrumpft.“ Teilweise verkauft Michael Meckelein Produkte sogar komplett ohne Gewinn. „Aber das ist immer noch besser, als gar keine Arbeit zu haben“, sagt er. Immerhin habe er so noch keinen seiner fünf Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken oder entlassen müssen.

Die Absage von Events aller Art trifft Geschenkissimo sowohl direkt als auch indirekt: Auf der einen Seite entfallen mit Messen und Märkten wichtige Vertriebswege. Außerdem sind die Märkte eine gute Plattform, um Kundenkontakte zu knüpfen und zu pflegen. Auf der anderen Seite finden viele private Feiern wie Geburtstage oder Hochzeiten nur im kleinen Kreis oder gar nicht statt. Dadurch verschenken die Menschen weniger und Meckelein bleibt auf seiner Ware sitzen.

Zwar sei das Onlinegeschäft vor der Pandemie jedes Jahr gewachsen, von dem Absturz im April 2020 habe es sich aber trotz aller Mühen noch immer nicht erholt. „Ich befürchte, das Thema wird uns noch länger beschäftigen. Im Internet ist man von Mitbewerbern und Firmen mit großen Werbebudgets umgeben. Das macht die Sache deutlich schwieriger“, erläutert der Händler.

Messe-Geschäft: Auch die Equitana 2021 musste ausfallen

Eine Entspannung der Lage ist nicht in Sicht: So ist etwa die beliebte Messe Equitana auch 2021 ausgefallen. Der Termin im März konnte wegen des Lockdowns nicht gehalten werden. Ein Ersatztermin ist zunächst nicht vorgesehen. „Diese Entscheidung ist uns nicht leichtgefallen, aber wir haben sie in Absprache mit unseren Ausstellern und Partnern getroffen“, sagt Benedikt Binder-Krieglstein, CEO des Veranstalters Reed Exhibitions Deutschland GmbH. „Die weitere Pandemie-Entwicklung ist nach wie vor unklar. Zudem ist nicht absehbar, ob und unter welchen Bedingungen Messen in den kommenden Monaten durchgeführt werden können.“

Eine abgespeckte Ausgabe der Messe sei darum nicht denkbar gewesen. „Wir sind bereits im intensiven Austausch mit unseren Partnern und setzen alles daran, zeitnah eine gute Alternative anzubieten“,sagt Equitana-Chefin Christina Uetz. 2020 hatte es eine virtuelle Ausgabe als Ersatz zur Open-Air-Ausgabe der Messe gegeben. Mehr als 100 Aussteller und bekannte 50 Ausbilder wie Ingrid Klimke oder Jessica von Bredow-Werndl waren bei dem Online-Festival im August 2020 dabeigewesen. Konkrete Zahlen zu Besuchern und zum Umsatz hat Reed Exhibitions nicht veröffentlicht. Ob die Equitana 2021 auch im Netz statfinden wird, wollen die Verantwortlichen zeitnah entscheiden.

Sie sind auch vom Lockdown betroffen?

Erzählen Sie uns Ihre Geschichte!

Text: Lena Reichmann; Titelbild: Kaique Roche, pexels.com

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Wenn Sie Cookies erlauben, dann helfen Sie uns den richtigen Inhalt für Sie zu finden und zu posten. Dies ermöglicht Ihnen insgesamt ein besseres Website-Erlebnis, auch mit direkt abspielbaren YouTube-Videos. Ebenso können wir über die Werbeeinblendungen die Website finanzieren. Näheres in der Datenschutzerklärung

Nur mit erlaubten Cookies sind alle Inhalte verfügbar, so z.B. integrierte YouTube Videos. 

Zum Ansehen bitte Cookies zulassen

Bitte hier klicken zum Ändern der Cookie-Einstellungen.