Der Traum vom Fohlen: Lutz Gripshöver gibt Tipps für Hobbyzüchter

Der Traum vom Fohlen: Lutz Gripshöver gibt Tipps für Hobbyzüchter

Viele Stutenbesitzer würden gerne selbst ein Fohlen züchten. Ein erfahrener Züchter erklärt, wie das Abenteuer Zucht gelingt.

21 Fohlen tollen über die weitläufigen Weiden von Lutz Gripshöver. Von jedem kennt er die Mutter, ja weiß sogar, wie sich die Großmutter unter dem Sattel anfühlte. Denn Lutz Gripshöver ist mit der Pferdezucht seines Vaters aufgewachsen. Auf den 110 Hektar Land am Rand von Werne hält die Familie über 200 Pferde. Darunter zahlreiche erfolgreiche Sportpferde, einige Pensionspferde und rund 30 ausgewählte Zuchtstuten.

Und auch die Väter der Fohlen gehören zum Teil den Gripshövers. So wie Toulago (v. Toulon) stehen sie beim Gestüt Ligges. Neben dem Deckeinsatz für die eigenen Stuten, stehen sie anderen Züchtern nämlich ebenfalls zur Verfügung. Neben großen Betrieben fragen inzwischen immer öfter Privatleute nach ihren Diensten. Sie wollen ein Fohlen aus ihrer eigenen Stute züchten. Der Zuchtexperte Gripshöver freut sich darüber, warnt aber davor, die Pferdezucht zu leichtfertig anzugehen. Im Interview mit Pferde-Reich erklärt er, worauf Stutenbesitzer achten müssen, wenn sie Nachwuchs für ihren Vierbeiner planen.

Pferde-Reich: Spüren Sie, dass es im Trend liegt, ein Fohlen aus der eigenen Stute zu ziehen?

Lutz Gripshöver: Ja, ich glaube, das Züchten geht immer mehr von der bäuerlichen Hand in die Privathand. Aber das ist ein guter Trend, dass die Leute da Spaß dran haben.

Oft entscheiden sich Pferdebesitzer, ihre Stute nach einer Verletzung ein Fohlen bekommen zu lassen...

Aber auch oft aus Liebe zum Tier! Ich glaube, da ist das Empfinden ganz anders als vor 20 Jahren, wo das Pferd noch eher ein Sportgerät war. Wenn heute ein Pferd aus dem Sport geht, dann trennt man sich nicht mehr so schnell davon.

Wenn die Entscheidung, zu züchten, feststeht, sollte man sich Unterstützung von einem erfahrenen Züchter suchen?

Man kann sich natürlich beraten lassen. Aber viele haben auch eigene Ideen. Manche wollen einfach nur ein liebes Pferd züchten oder finden einen bestimmten Hengst ganz toll. Dass es dabei in ganz verschiedene Richtungen geht, ist auch gut. Wobei sich viele an Hengsten orientieren, die selbst im großen Sport gehen.

Etwa 3600 der im westfälischen Pferdestammbuch organisierten Züchter besitzen nur eine oder zwei Stuten. Das sind rund 40 Prozent der Mitglieder. Laut Verband ist diese Zahl seit Jahren recht stabil.

Kann man bei der Hengstauswahl denn richtig schwere Fehler machen?

Alles kann schiefgehen, aber alles kann auch gutgehen. Es gibt gewisse Linien, wo ich sagen würde, „das geht nicht“, und am Ende kommt ein tolles Pferd dabei raus. Man darf nie vergessen, dass man es mit Lebewesen zu tun hat – und mit Glück.

Gibt es Stuten, mit denen Sie nicht züchten würden?

Für mich ist Gesundheit ganz wichtig. Wenn ein Pferd wirklich starke Schwächen hat, vielleicht sogar deshalb lahm geworden ist, würde ich davon abraten, damit zu züchten. Das gilt natürlich nicht, wenn das Pferd einen Sportunfall hatte und dadurch Probleme mit der Sehne hat.

Und trotzdem weiß man nie, was dann rauskommt, oder?

Es ist immer eine Überraschung! Die Fohlen von unserem Toulago haben zum Beispiel alle drei oder vier weiße Beine, obwohl der Hengst nur an einem Hinterbein ganz wenig Weiß hat. Keine Ahnung, wo das herkommt.

Hatten Sie denn schon mal eine Anpaarung, die so gar nicht funktioniert hat?

Das hat man immer wieder, das gehört dazu.

Welche Voraussetzungen müssen - neben der passenden Stute und einem passenden Hengst – noch erfüllt sein, damit es mit der Zucht klappt?
Fohlen brauchen Platz zum Spielen und Artgenossen, damit sie artgerecht aufwachsen können. Foto: Lena Reichmann

Platz! Denn je größer die Herde ist, desto besser. Dazu brauchen die Pferde aber genügend Fressfläche und Raum, um sich aus dem Weg zu gehen. Sonst können auch Stuten schon mal aufeinander losgehen.

Optimal ist nach der Geburt dann der Kontakt zu anderen Fohlen, so wie bei uns. Und auch später sind Gleichaltrige wichtig. Wenn Sie in Richtung Werne fahren, sehen Sie eine ganze Herde mit Jährlingen. Das ist wie ein Kindergarten, die erziehen sich da selbst.

Gut ist natürlich, wenn die Pferde bei jemanden stehen, der Ahnung davon hat und rechtzeitig merkt, wenn etwas nicht stimmt. Sie haben ja gerade das eine Fohlen mit dem Durchfall gesehen. Da kommt gleich sofort der Tierarzt, da kann ich nicht noch drei Tage warten. Fohlen sind nämlich ganz empfindlich!

Zu weit weg sollte der Stall also auch nicht sein, damit man immer ein Auge darauf haben kann?

Ja, man muss jeden Tag hingehen! Gerade bei einem Fohlen ist das wichtig. Nachher, wenn sie Jährlinge werden, dann nicht mehr ganz so.

Generell ist das Ganze Vorhaben nicht ganz günstig. Mit wie viel sollte man, abgesehen von der Decktaxe, rechnen? Kann man das überhaupt beziffern?

Nein, eigentlich nicht. Ich würde mal von 3000 Euro pro Jahr für das Fohlen ausgehen. Aber man muss damit rechnen, dass immer etwas passieren kann. Das muss man am Ende auch bezahlen können.

Beim Züchter sind diese Ausgaben natürlich irgendwie im Verkaufspreis enthalten. Oft geht die Rechnung aber nicht auf. Hat man als Privatperson eine Chance, sein Geld beimVerkauf wieder reinzuholen?

Wenn ich immer alles zusammenrechnen und das als Mindestpreis nehmen würde, würde ich auf einer ganzen Reihe Pferde sitzenbleiben. Ich muss eine Mischkalkulation machen und einige Gute dabei haben, die meine Verluste wieder ausgleichen. Wenn ich nur ein einziges Pferd habe, kann das natürlich schiefgehen und man bekommt seine Ausgaben nicht wieder rein.

Lutz Gripshöver mit seinem Hengst Toulago, der nach einem Turniereinsatz kurz Station auf der Anlage machte. Foto: Lena Reichmann
Es ist ja auch nicht mit der Aufzucht getan, danach geht es weiter...

Richtiges Management ist wichtig. Denn das Pferd muss auch gut ausgebildet und vielleicht auf dem Turnier vorgestellt werden. Für uns ist es zum Beispiel extrem wichtig, dass die Pferde in Springpferdepüfungen erfolgreich sind.

Haben Sie noch einen generellen Tipp?

Einfach probieren!

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