Futterumstellung beim alten Pferd – ein Erfahrungsbericht (4)

Futterumstellung beim alten Pferd - ein Erfahrungsbericht Folge 4: Die wichtigste Mahlzeit

Ziemlich genau drei Monate sind nun seit der Futterumstellung vergangen. Zeit, für ein erstes Zwischenfazit. Da Mr nicht nur schwerfuttrig, sondern auch schwer von neuem Futter zu überzeugen ist, hatte ich im Vorhinein immerhin erhebliche Zweifel daran, dass ihm Müsli, Pulver und Öle auch schmecken.

Glänzendes Fell, wacher Blick: Mr sieht deutlich besser aus. Foto: Lena Reichmann

Mit Akzeptanzproblemen hatte ich aber in den vergangenen Wochen kaum zu kämpfen. Gerade am Anfang begutachtete Mr sein neues Kraftfutter zwar sehr skeptisch, aber es schmeckt ihm offenbar, denn er hat bisher immer aufgefressen.

Schnell zeigten sich dadurch die ersten positiven Veränderungen. Bereits nach wenigen Tagen wurde Mr deutlich entspannter und grub nicht mehr hektisch seine ganze Box um. Das hochdosierte Magnesium zeigte seine Wirkung. Kurze Zeit später bemerkte ich, wie sein Fell weicher und glänzender wurde. Gleichzeitig begannen seine Hufe schneller zu wachsen – unsere Schmiedin kommt schon kaum noch mit Ausschneiden nach. Außerdem wirkte Mr insgesamt etwas runder, baute sogar wieder ein paar Muskeln an Hals und Kruppe auf.

Leider ging es jedoch irgendwann nicht mehr so schnell bergauf. Wegen der anhaltenden Trockenheit im Juni und Juli war das Gras auf den Weiden in diesem Sommer wieder sehr schnell kurzgefressen. Für Mr, der im Winter tendenziell trotz ausreichender Rauhfutterportionen eher ab- und dafür in der Weidezeit wieder zunimmt, ein echtes Problem. Denn schon im vergangenen Jahr hatte ihm das Weidegras gefehlt und er hatte in den Sommermonaten sogar abgebaut. Kurze, harte Stängel abzugrasen ist einfach nicht so sein Ding. Und obwohl wir die Heuportionen rechtzeitig aufstockten, fing er Ende Juli wieder an, einzufallen.

Ringen um Rauhfutter

Nachdem ich nach sechs Wochen die Magnesium- durch eine Calciumkur ersetzte, fiel er außerdem schnell in alte Muster zurück: Er rührte sein Frühstücksheu nicht mehr an, schaute lieber aus dem Fenster und scharrte mit den Hufen. Nach nur wenigen Tagen stellte ich ihn also wieder um: Er bekommt nun wieder Magnesium und ich taste mich langsam an die richtige Dosierung heran. Denn auf Dauer kann er das Mineral nicht hochdosiert bekommen.

Zusätzlich füttere ich Heucobs. Laut Tierarzt hat er zwar noch keine altersbedingten Probleme mit seinen Zähnen, wirklich freudig frisst er sein Heu trotzdem nicht – und Heulage darf er wegen des erhöhten Milchsäure- und oft auch Eiweißgehalts nicht haben. Vor allem morgens knabbert er also lieber ein paar Strohhalme, wartet sehnsüchtig darauf, auf die Weide gelassen zu werden, und kehrt der sprichwörtlich wichtigsten Mahlzeit des Tages den Rücken.

Ein richtiger Fan von eingeweichtem Gras ist Mr übrigens leider auch nicht: Die Cobs frisst er nur abends und nur, wenn ich sie mit seinem Müsli mische.

Heucobs

Um Heucobs herzustellen, wird Gras getrocknet und zu Pellets gepresst. Ein Kilo Heucobs (Trockengewicht) ersetzt ein Kilo Heu. Die Pellets sollten vor der Fütterung in ausreichend Wasser eingeweicht werden und kurz quellen. Sobald die Cobs sich vollständig aufglöst haben, sollten sie verfüttert werden, sonst können sie gären. Trocken verfüttert können sie Schlundverstopfungen auslösen. Bei schwerfuttrigen oder futterempfindlichen Pferden kann die Futterration mit den gequollenen Pellets einfach ergänzt werden. Ältere Pferde, die nicht mehr richtig kauen können, können sie als Heuersatz bekommen. Pro 100 kg Körpergewicht sollte etwa ein Kilo der Cobs gefüttert werden.

Auf Herz und Nieren testen

Trotz des Ringens um die Rauhfutteraufnahme scheint es Mr dennoch besser zu gehen. Die erhöhte Mineralstoffzufuhr lässt nämlich nicht nur sein Fell glänzen: Er ist beim Reiten locker, aber sehr entspannt und die Probleme mit seinen Gelenken sind zurzeit kaum spürbar. Selbst bei warmen Temperaturen bleibt sein Kreislauf stabil, sein Herz scheint gut zu arbeiten. Außerdem trinkt er meiner Einschätzung nach nicht mehr so zwanghaft oft. Ich mache mir daher Hoffnungen, dass es seinen Nieren durch die gezielte Diät etwas besser geht.

Kein Aha-Effekt, aber immerhin sieht Mr schon etwas besser aus als noch im Mai. Foto: Simon Leitsch

Ob meine Eindrücke richtig sind, wird der Tierarzt mir Anfang September sagen. Dann kommt er zum Check-Up und nimmt eine Blutprobe. Die gibt nicht nur erste Hinweise darauf, wie Mr’s Körper die Mineralien aufnimmt, sondern verrät auch, wie es um Herz und Nieren steht. Bis dahin machen wir erst einmal weiter wie bisher.

In der nächsten Folge gibt es die Ergebnisse des Bluttests. Außerdem gibt es bis dahin hoffentlich Neues zum Rauhfutterproblem.

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