Anhängelast, Einstreu, Papiere: Diese Vorschriften gelten bei Pferdetransporten

Anhängelast, Einstreu, Papiere: Diese Vorschriften gelten bei Pferdetransporten

Turnierzeit ist Transportzeit. Aber welche gesetzlichen Vorschriften müssen Reiter vor der Fahrt mit dem Anhänger kennen? Ein Überblick.

Die Turniersaison ist in vollem Gange und wer am Wochenende auf den Straßen unterwegs ist, dem begegnen zahlreiche Autos mit Pferdeanhänger. Und während erfahrenere Turnierprofis ganz routiniert anspannen, stellen sich Hänger-Unerfahrenen vor der Fahrt schnell viele Fragen: Darf mein Auto den Anhänger ziehen? Brauche ich eine Transportbefähigung? Muss der Anhänger eingestreut sein? Pferde-Reich hat die wichtigsten Fragen und Antworten zusammengefasst.

Stichwort Gewicht: Welche Regeln gelten für Pkw und Anhänger?

Kaum etwas beschäftigt Anhänger-Neulinge mehr als die Frage, welchen Hänger ihr Auto denn überhaupt ziehen darf. Und auf vielen Turnierparkplätzen sind eigenwillige Kombinationen geparkt. Nur: Wer mit so einem fragwürdigen Gespann angehalten wird, riskiert laut aktuellem Bußgeldkatalog eine Strafe von 30 bis 425 Euro und einen Punkt. Es ist also durchaus sinnvoll, sich rechtzeitig zu informieren. Auch, weil ein zu schwerer Anhänger im Straßenverkehr eine Gefahr darstellt, der Bremsweg des Gespanns sich etwa erheblich verlängert.

Wichtig zur ersten Orientierug sind die folgenden Angaben in der Zulassungsbescheinigung Teil 1: Unter den Punkten O1 und O2 ist im Fahrzeugschein des Pkw die zulässige Anhängelast aufgeführt. Da Pferdeanhänger in der Regel über eine eigene Bremse verfügen, gilt der Wert zu O1 (gebremster Anhänger).

Im Fahrzeugschein des Anhängers ist unter G das Leergewicht aufgeführt und unter F1 das zulässige Gesamtgewicht. Die Differenz gibt an, wie viel die Ladung, also die Pferde, wiegen darf. Wiegt der Anhänger leer zum Beispiel 900 kg und die zulässige Gesamtmasse beträgt 2000 kg, dürfen zwei mittelgroße Warmblüter mit einem Gewicht von je etwa 550 kg mitfahren.

Generell gilt laut § 42 Abs. 1 StVZO (Straßenverkehrs-Zulassungsordnung): Das Gesamtgewicht das Anhängers darf nicht die Anhängelast des Pkw überschreiten. Diese darf bei Pkw nicht 3,5 Tonnen oder das zulässige Gesamtgewicht des Kraftfahrzeugs überschreiten. Dazu unterscheidet das Regelwerk drei Fälle:

Die Variable Stützlast

Die zulässige Stützlast beschreibt, welches Gewicht vertikal auf der Anhängerkupplung lasten darf und kann in der Zulassungsbescheinigung Teil I (Feld 13) nachgelesen werden. Anhänger, Pkw und Kupplung haben je eine eigene Stützlast, die verglichen werden muss – relevant ist der geringere Wert.

Bußgelder von bis zu 60 Euro und ein Punkt drohen, wenn die Stützlast nicht durch ein Schild angezeigt wird und wenn sie überschritten wird.

  1. Die zulässige Anhängelast des Zugfahrzeugs ist größer als das zulässige Gesamtgewicht des Anhängers. Dann gilt: Das tatsächliche Gewicht des Anhängers (Leergewicht + Zuladung) darf dessen zulässige Gesamtmasse nicht übersteigen.

  2. Die zulässige Anhängelast des Zugfahrzeugs ist gleich das zulässige Gesamtgewicht des Anhängers. Auch dann darf das tatsächliche Gewicht des Anhängers die zulässige Anhängelast des Pkw bzw. das zulässige Gesamtgewicht des Hängers nicht überschreiten.

  3. Die zulässige Anhängelast des Zugfahrzeugs ist kleiner als die zulässige Gesamtmasse des Anhängers. In diesem Fall darf die zulässige Anhängelast zwar nicht überschritten werden, allerdings darf der Anhänger um die Stützlast schwerer sein.

Führerschein: Ab wann muss es BE sein?

Die StZVO schreibt einen Führerschein der Klasse BE Fahrern vor, die ein Auto mit Anhänger mit einer zulässigen Gesamtmasse von 750 kg bis 3,5 Tonnen fahren. Mit einem Führerschein mit Vermerk B96 dürfen jedoch ebenfalls Gespanne mit Anhänger mit einem zulässigen Gesamtgewicht von über 750 kg gefahren werden, allerdings nur, wenn die Summe des Gesamtgewichts der Kombination zwischen 3,5 und 4,25 Tonnen liegt. Wer ein Pferd transportiert, ist mit einem BE-Führerschein meist auf der sichereren Seite.

Papierkram: Wann brauche ich einen Transportbefähigungsschein?

Ohne Equidenpass darf grundsätzlich kein Pferd transportiert werden – das wissen sicherlich die Meisten. Seit 2008 ist für Pferdetransporte über 65 Kilometer oder mehr zusätzlich ein Befähigungsnachweis gemäß Tiertransportverordnung vorgeschrieben.

Für Hobbyreiter gilt diese Vorgabe allerdings in den allermeisten Fällen nicht, selbst wenn sie mit dem Pferd verreisen und mehrere hundert Kilometer zurücklegen. Denn der Nachweis ist laut Gesetz nur „bei Pferden, die aus wirtschaftlichen/ gewerblichen Zwecken transportiert werden“, nötig. Die FN nennt dafür folgende Beispiele: Alle spezialisierten Pferdetransporteure, Landwirte sowie für alle Personen, die von Berufs wegen mit Pferden umgehen (Pferdewirte, Trainer, Züchter usw.) einschließlich professioneller Reiter, wenn deren Tätigkeit mit Pferden steuerlich zu einer Veranlagung führt.Diese können den Schein für rund 200 Euro im Rahmen eines eintägigen Lehrgangs etwa bei der Landwirtschaftskammer absolvieren.

Vorsicht bei Fahrten ins Ausland

Vorausplanen sollten Reiter Fahrten ins Ausland. Je nach Zielland ist für den Grenzübertritt – auch ins EU-Ausland – eine Gesundheitsbescheinigung notwendig. Die muss vom Amtstierarzt vor Antritt der Reise ausgestellt werden und kann über 100 Euro kosten.

Nur komfortabel oder Pflicht: Muss der Anhänger eingestreut werden?

Noch immer transportieren viele Reiter ihre Pferde auf Anhängern ohne jegliche Einstreu. Klar, die meisten Pferdehänger haben einen rutschfesten Gummiboden und die Tiere darauf theoretisch einen sicheren Stand. Aber ist das auch erlaubt?

Hier geht es zum Artikel „EU bremst Reiter an der Grenze aus“

Rechtsanwältin Patricia Wartenberg sagt dazu ganz klar: Nein. Sie erklärt: „Den Hänger für den Pferdetransport mit Einstreu zu versehen ist Pflicht. Da Pferde gem. § 2 Nr. 4a Tiergesundheitsgesetz zum Vieh zählen, kommt die Viehverkehrsverordnung für den Pferdetransport zur Anwendung. Gemäß § 1 Abs. 1, Satz 1 Nr.1 Viehverkehrsverordnung muss verhindert werden, dass Urin oder Mist (sogenannte „tierische Abgänge“) auslaufen bzw. herausfallen und somit auf die Straße gelangen.“

Welche Einstreu verwendet wird, ist dabei zweitrangig. Wichtig ist, dass die vierbeinigen Passagiere nicht ausrutschen können und ihre Hinterlassenschaften gebunden werden.

Ladungssicherung für Pferdeanhänger: Welche Regeln gibt es?

Ja, auch Pferde sind vor dem Gesetz „Ladung“. Und die muss so gesichert sein, dass möglichst keine Unfälle passieren können. Das bedeutet: Pferde müssen auf dem Anhänger angebunden werden (am besten mit Panikhaken). Auch auf Beinschutz (Transportgamaschen) sollten die Besitzer achten.

Während der Fahrt sollten die Tiere zudem ausreichend Futter zur Verfügung haben und, gerade bei längeren Fahrten, regelmäßig getränkt werden. Wer nicht darauf achtet, riskiert Ärger wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz, wie Wartenberg erklärt.

Text: Lena Reichmann

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