Equine Infektiöse Anämie: Neue Regeln für Veranstaltungen

Equine Infektiöse Anämie: Neue Regeln für Veranstaltungen

Wer mit seinem Pferd an einer Veranstaltung teilnimmt, muss künftig Angaben zum Stall machen

Noch mehr Bürokratie für Veranstalter und Reiter: In der Covid-19-Pandemie hat sich der Aufwand selbst für die Durchführung kleinerer Turniere und Lehrgänge bereits vervielfacht. Hygienekonzepte müssen erarbeitet und Listen mit Kontaktdaten aller anwesenden Personen geführt werden. Nun ist eine weitere Verordnung in Kraft getreten. Die „Einhufer-Blutarmut-Verordnung“ schreibt Organisatoren von Pferdesport- und Zuchtveranstaltungen vor, künftig auch Listen mit allen dort anwesenden Pferden zu führen.

Ansteckendes, sehr widerstandsfähiges Virus

Hintergrund ist das Auftreten der Viruserkrankung Equine Infektiöse Anämie (EIA) in Deutschland in den vergangenen Jahren. Bei der Krankheit kursiert ein Virus im Blut der betroffenen Tiere, das zur selben Gattung gehört wie das HI-Virus, das beim Menschen AIDS auslöst. Es löst eine Abwehrreaktion des Körpers aus, die dazu führt, dass das Immunsystem Blutzellen zerstört. Erkrankte Pferde leiden daher unter Blutarmut.

Übertragen wird das EIA-Virus über Blut, Speichel, Urin und Kot sowie beim Decken. Es ist jedoch sehr widerstandsfähig und kann daher auch über Oberflächen, etwa gemeinsam genutzte Tränken, weitergegeben werden. Dort überlebt der Erreger zum Teil sogar mehrere Monate. Auch die Inkubationszeit, also die Spanne zwischen Ansteckung und Ausbruch der Krankheit, ist mit zwei Wochen bis drei Monaten vergleichsweise lang.

Symptome sind vor allem starke, scheinbar unerklärbare Fieberschübe, die auf keine Behandlung ansprechen. Ist die Krankheit einmal ausgebrochen, verläuft sie oft tödlich. Tückisch ist jedoch, dass 30 bis 90 Prozent der betroffenen Tiere keinerlei Symptome zeigen, das Virus aber dennoch an andere weitergeben können.

Strenge Quarantänevorschriften

Wird ein Fall bekannt, muss dieser dem zuständigen Veterinäramt gemeldet werden. Denn anders als etwa Druse oder Herpes unterliegt EIA der Meldepflicht. Kranke Tiere müssen umgehend getötet werden. Außerdem wird der gesamte Bestand unter Quarantäne gestellt und alle Pferde auf das Virus getestet. Bei positivem Ergebnis müssen Tiere auch dann eingeschläfert werden, wenn sie keine Krankheitssymptome zeigen. So soll die weitere Ausbreitung des Virus eingedämmt werden.

Zu diesem Zweck werden auch alle Betriebe gesperrt, zu denen Pferde aus dem betroffenen Bestand innerhalb der letzten 90 Tage Kontakt hatten. Gleiches gilt für Anlagen, die sich im Umkreis von einem Kilometer rund um den Stall befinden. Erst, nachdem alle Pferde im Abstand von drei Monaten zweimal negativ auf EIA getestet wurden, werden die Quarantäne-Maßnahmen wieder aufgehoben.

Bisher kaum Fälle in Deutschland

In Deutschland ist die Krankheit bisher nur vereinzelt aufgetreten. Zwischen Januar 2017 und April 2018 gab es 15 Fälle, fast alle bei Poloponys, deren Betreuer laut Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) in Verdacht stehen, ihnen verunreinigte Infusionen gegeben zu haben. 2020 wurde das Virus bei einem aus Spanien importierten Pferd im hessischen Kreis Offenbach nachgewiesen. Laut FN waren registrierte Turnierpferde bisher nicht betroffen.

Dennoch sieht eine Änderung der „Einhufer-Blutarmut-Verordnung“ nun vor, dass Organisatoren von Veranstaltungen, bei denen Pferde aus mehreren Beständen zusammenkommen, ab sofort Anwesenheitslisten führen müssen. Darin müssen folgende Daten erfasst und für drei Jahre aufbewahrt werden:

  • Name des Pferdes/Ponys
  • Chipnummer (wenn vorhanden) und/oder Lebensnummer (s. Equidenpass)
  • Name und Anschrift des Halters
  • Standort und/oder Betriebsnummer der Haltung

Die Umsetzung der Verordnung kann von Bundesland zu Bundesland variieren. Reiter müssen aber in jedem Fall damit rechnen, künftig vor dem Turnierstart an der Meldestelle oder in Online-Verwaltungssystemen nach den Daten gefragt zu werden und sollten sich deshalb darauf vorbereiten und diese parat haben.

Reiter müssen sich darauf einstellen, künftig vor dem Turnierstart Angaben zum Stall zu machen, in dem ihr Pferd untergebracht ist. Screenshot: my-equi-score

Die FN ist „ganz und gar nicht glücklich über die Änderung der Verordnung, denn sie bedeutet einen erheblichen Mehraufwand für die Veranstalter im Pferdebereich“, sagt Verbands-Generalsekretär Soenke Lauterbach. Die Reiterliche Vereinigung sowie die ihr angeschlossenen Landes- und Zuchtverbände hatten sich bereits frühzeitig beim BMEL und den zuständigen Behörden der Länder gegen die Änderung der Verordnung stark gemacht.

FN plädiert für unbürokratische Lösungen

Sie verwiesen auf bereits bestehende technische Lösungen und Datenbanken, wie zum Beispiel das zentrale „Herkunftssicherungs- und Informationssystem für Tiere“ (HI-Tier), zu dem auch Veterinärbehörden Zugang haben. Auch über das digitale Turniernennungssystem der FN, NeOn, können den Behörden im Falle des Ausbruchs einer Tierseuche Informationen über registrierte Turnierpferde bei Pferdesportveranstaltungen und deren Kontaktpersonen geliefert werden. Bei Zuchtveranstaltungen, wie beispielsweise Stuten- oder Fohlenschauen, sind die registrierten Pferde über die jeweiligen Zuchtverbände erfasst, so dass im akuten Seuchenfall auch hier entsprechende Informationen zur Verfügung gestellt werden können.

Zunächst wurde daraufhin die geplante Änderung aus dem Entwurf der Verordnung wieder herausgenommen. Letztlich — und, wie die FN beklagt, ohne dass sie darüber informiert wurde — kurzfristig wieder aufgenommen und beschlossen. „Wir appellieren deshalb an alle Veranstalter, das entsprechende Register zu führen, um keinen Ärger mit den Behörden zu bekommen. Wir arbeiten aber mit unseren Landes- und Zuchtverbänden weiter daran, eine technische Lösung zu finden, um die Arbeit auf den Veranstaltungen zu erleichtern“, kündigte Soenke Lauterbach an.

Text: Lena Reichmann mit fn-press, Titelbild: Belova 95/Pixabay

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