Wann und wo fand eigentlich die erste Springprüfung statt?

Wann und wo fand eigentlich die erste Springprüfung statt?

Gesprungen wurde über eine Steinmauer, die Richter kürten einen Sieger: So sah eine Springprüfung vor 155 Jahren aus.

Die erste Springprüfung in Europa fand vor 155 Jahren in Irland statt. Auf einem Turnier, das bis heute ausgerichtet wird und zu den größten auf der grünen Insel gehört. Am selben Ort traten vor genau 100 Jahren auch schon die ersten Frauen im Sattel gegeneinander an.

Es ist das Jahr 1864. In Kontinentaleuropa herrscht Krieg zwischen Deutschland und Dänemark. In Polen bricht der Aufstand gegen die russische Herrschaft zusammen. In Amerika tobt der Bürgerkrieg. Pferde sind in diesen Tagen wichtige Partner für die Soldaten auf den Schlachtfeldern der Welt. Im irischen Dublin messen sich die besten von ihnen derweil in sportlichen Wettkämpfen. Die Royal Dublin Society veranstaltet unter der Schirmherrschaft der Royal Agricultural Society of Ireland ein Reitturnier. Die Reiter kämpfen um ein Gesamtpreisgeld von 520 britischen Pfund (das entspräche heute etwa 588 Euro).

Richtige Regeln gab es nicht

Obwohl die Veranstaltung als erste ihrer Art gilt, ist nur wenig über die dort ausgetragenen Wettbewerbe und die Teilnehmer bekannt. Erst vier Jahre später, als die Royal Dublin Society das Event zum ersten Mal selbst austrug, entstanden ausführlichere Aufzeichnungen. Damals trafen sich die Reiter auf dem Gelände des Leinster House. Bis 1922 war der ehemalige Herzogspalast Treffpunkt der Mitglieder der Royal Dublin Society, heute tagt dort das irische Parlament.

Vom 28. bis zum 30. Juni 1868 fanden dort die ersten Springwettbewerbe statt. Darunter war auch eine Hochsprungprüfung über eine steinerne Mauer. Richard Flynn überwand das sechs Fuß (1,83 Meter) hohe Hindernis mit seinem Hunter namens Shane Rhue und gewann. Noch am selben Tag verkaufte er sein Siegerpferd für 1000 Pfund (rund 1100 Euro).

In den darauffolgenden Jahren entwickelte sich das Turnier immer mehr zum Großevent. 1870 benannte die Society es um in „The National Horse Show“ und ließ es zusammen mit der jährlichen Schafschau stattfinden.

Richard Flynn mit Shane Rhue 1868. Archivfoto: RDS

Die Reiter traten damals in verschiedenen Hoch- und Weitsprungwettbewerben an. Es galt, sechs Fuß hohe Steinmauern oder 12 Fuß (3,66 Meter) breite Wassergräben mit einer 2,5 Fuß (76 Zentimeter) hohen Ginsterhecke davor zu überspringen. Die Regeln waren einfach: Die Hindernisse mussten zur Zufriedenheit der Richter überwunden werden.

Der erste zusammenhängende Parcours

1881 zog das Event in den Stadtteil Ballsbridge. Dort wurde der erste zusammenhängende Parcours aufgebaut. Auch eine Tribüne mit 800 Plätzen entstand. Bis zum Beginn des ersten Weltkriegs 1914 fand das Turnier nun jedes Jahr dort statt. Als die Veranstaltung 1919 wieder ausgetragen wurde, durften die ersten Frauen in einer eigenen Prüfung starten. Nur während des zweiten Weltkriegs gab es eine weitere Pause von 1940 bis 1946. Und so geht die Dublin Horse Show, zu der seit 2003 auch eine Nationenpreis-Prüfung gehört, im kommenden Jahr in die 147. Auflage.

Text: Lena Reichmann

Titelbild: Die Wettkampfstätte in Ballsbridge 1890 (Archivbild der Royal Dublin Society)

In den ersten Jahren war es üblich, Sprünge in Rücklage und mit langen Zügeln zu überwinden. Erst der Italiener Federico Caprilli (Foto), Namensgeber des Caprilli-Tests, prägte den modernen Springsitz. 1902 stellte er auf dem ersten Militär-Reitturnier in Turin einen europäischen Hochsprungrekord mit 2,08 Metern auf.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.