FN beschließt Promille-Grenze für Turnierreiter

FN beschließt Promille-Grenze für Turnierreiter

Die Reiterliche Vereinigung ändert nach Alkoholexzessen und Missbrauchsvorwürfen die LPO. Auch für Amateure sollen die Regeln gelten.

Die Reiterliche Vereinigung (FN) will auf Turnieren künftig hart durchgreifen, wenn Reiter über die Stränge schlagen. Das geht aus einer Pressemitteilung am Dienstag hervor. Demnach will der Verband die Leistungs-Prüfungs-Ordnung (LPO) ändern. Außerdem soll Reitern die Jahresturnierlizenz entzogen werden können, wenn sie als gewalttätig, sexuell übergriffig oder wegen übermäßigen Alkoholkonsums auffällig werden.

Nachdem der Spiegel im vergangenen Jahr im Zusammenhang mit den Weltreiterspielen in Tryon Alkoholexzesse und sexuellen Missbrauch im Lager der deutschen jungen Reiter aus dem Springkader enthüllt hatte, war der Nachwuchssport stark in die Kritik geraten. FN-Geschäftsführer Sönke Lauterbach hatte damals eingeräumt: „Es gibt eine Gruppe, die sich teils massiv danebenbenimmt. Da sind wir sicher.“ Er ging damals von Einzelfällen aus. Andere Reiter forderten unterdessen ein härteres Durchgreifen. „Wir brauchen klare Regeln und Kontrollen bei Reitern“, sagte Ludger Beerbaum.

Der Beirat Sport beschloss nun, die LPO entsprechend zu verschärfen. Bereits jetzt ist es nach §65 möglich, „Teilnehmer mit stark herabgesetzter Leistungsfähigkeit“ von einem Turnier auszuschließen. Künftig soll es jedoch eine feste Grenze von 0,5 Promille geben. Kontrollen plant die FN laut Pressemitteilung „stichprobenartig oder in konkreten Verdachtsfällen“. Veranstalter dürften außerdem in der Ausschreibung selbst strengere Regeln festlegen.

Regeln gelten auch abseits des Turnierplatzes

Auch für Fehlverhalten abseits des Turnierplatzes drohen Reitern laut FN künftig Strafen: „Bei der Begehung einer Straftat gegen die sexuelle Selbstbestimmung, einem Verbrechens im Sinne des Strafgesetzbuches mit spürbaren, negativen Auswirkungen auf den Pferdesport oder einer Straftat nach dem Tierschutzgesetz“ will der Verband Reitern in Zukunft die Jahresturnierlizenz entziehen, auch wenn die Vorfälle sich nicht auf einer offiziellen Veranstaltung ereignet haben.

Im Zuge dessen unterbreite die Reiterliche Vereinigung den ihr angeschlossenen Verbänden auch einen Vorschlag zur Änderung der Vereins- und Verbandssatzung, heißt es. In dem Muster solle stehen, dass die Vereine jede Form von Gewalt verurteilen und wie Verstöße gegen diesen Grundsatz geahndet werden. „Jeder Verein und jeder Pferdebetrieb muss ein sicherer Ort für Pferdesportler sein, der ihnen Schutz bietet und sie stark macht gegen jede Form von Gewalt und Diskriminierung“, sagte Harald Hohmann, Vizepräsident der FN-Präsidialkommission, dazu.

Nachwuchsreiter stehen unter verstärkter Beobachtung

Unter besonderer Beobachtung sollen künftig die Nachwuchs-Spitzenreiter stehen. Beim bundesweiten Jugendturnieren habe der Verband bereits Atemalkoholkontrollen durchgeführt, die allerdings alle negativ gewesen seien, nun sei zusätzlich ein Drogenmessgerät angeschafft worden. In Kooperation mit der Missbrauchs-Beratungsstelle Zartbitter e.V. habe der Verband darüber hinaus Theorie-Module zu den Themen sexualisierte Gewalt und Alkoholmissbrauch am Stützpunkt Warendorf etabliert.

Auch die Eltern der Kaderreiter will der Verband sensibilisieren. Für die Disziplin Springen sei ein Elternbeirat geplant. Beim Preis der Besten Ende Mai soll es eine Zusammenkunft aller Eltern von Reitern geben.

Text: Lena Reichmann

2 Gedanken zu „FN beschließt Promille-Grenze für Turnierreiter

  • 8. Mai 2019 um 10:39
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    Ich finde es gut das, das jetzt so kontrolliert werden soll. Allerdings habe ich bedenken in der Umsetzung. Zumal ich finde das dieses Gesetz nicht nur auf die Reiter, sondern auch auf die Richter bezogen werden sollte. Einige erlauben sich nämlich ganz schön viel und denken was sie sagen und tun ist Gesetz. Diese sind auch nicht aus der Regelung zu streichen. Es gibt Richter die auch die Reiter Diskriminieren und auf blauen Dunst Abmahnungen verteilen und damit drohen einen für das ganze Jahr zu disqualifizieren. Richter sollten auch strengere Regeln bekommen.

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  • Pingback:So kämpft die FN gegen Alkoholmissbrauch auf Turnieren | Pferde-Reich

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