Interview: Russischer Forscher will Urzeitpferd klonen

Interview: Russischer Forscher will Urzeitpferd klonen

Semyon Grigoriev (zweiter von links) mit seinem Sensationsfund. Foto: North Eastern Federal University (NEFU)
Semyon Grigoriev will ein 40.000 Jahre altes Fohlen klonen. Nicht sein erster Versuch, die Steinzeit wieder zum Leben zu erwecken.

Über 42.000 Jahre lang lag das falbfarbene Fohlen in einem Krater in der sibirischen Taiga in Jakutien. Und doch ist der Körper des Pferdes noch perfekt erhalten – konserviert durch den dort herrschenden Permafrost. Für die Forscher der North Western Federal University in Jakutsk war der Fund des Exemplars des längst ausgestorbenen Lenskaya-Pferdes im August 2018 eine Sensation. Das Tier, das einst im Alter von nur wenigen Monaten verstorben war und zur Art Equus lenensis gehörte, hatte trotz der langen Zeit im Eis noch Fell am Körper und die Forscher fanden Blut in seinem Herzen. Es gilt damit als einer der am besten erhaltenen Urzeitfunde.

Das brachte den Forscher Semyon Grigoriev auf eine Idee. Der Leiter des Mammutmuseums der Universität in Jakutsk will nach intakten Zellen des Urpferds suchen und es dann klonen. Dieses Vorhaben ist nicht das erste Projekt dieser Art. Seit 2012 versucht der Wissenschaftler bereits zusammen mit einem führenden Experten aus Korea, ein Mammut zu klonen. Bislang blieben seine Versuche jedoch erfolglos. Im Interview mit Pferde-Reich erklärt er, warum er gar nicht daran denkt, aufzugeben und welche Urzeittiere er noch gerne wiederauferstehenlassen möchte.

Klonen ist selbst bei Tieren, die noch leben, schwierig. Wie wollen Sie ein Pferd klonen, dass so lange schon tot ist?

Grigoriev: Das ist extrem schwierig. Wir müssen dazu intakte Zellen bekommen und die Chancen, solche Zellen in einem so alten Tier zu finden, sind sehr gering. Aber wir hoffen, am Schluss doch welche zu finden. Diese Zellen müssen einen intakten Zellkern haben. Das ist es, was wir brauchen. Schon 2003 ist es gelungen, ein Pferd aus lebenden Zellen zu klonen. Warum sollte man es also nicht versuchen?

Haben Sie denn schon lebende Zellen gefunden?

Noch nicht (lacht). Aber wir arbeiten weiter an diesem Projekt. Es wird vielleicht sehr lange dauern, aber wir werden es weiter versuchen. Wir arbeiten seit 10 Jahren mit Sooam Biotech in Sachen Klonen zusammen. Vor zwei Monaten war einer der führenden Spezialisten aus Korea, Hwang Woo-Suk, hier.

Was würde denn passieren, wenn Sie Zellen finden?

Es wäre sehr interessant, dieses Pferd zu klonen. Wenn wir intakte Zellen finden, ist das Klonen sehr einfach. Moderne Pferde werden bereits geklont, auch in Korea. Und das Urzeitpferd ist sehr eng verwandt mit dem modernen.

Kann man theoretisch auch andere Urzeittiere klonen?

Das kann ich jetzt noch nicht sagen. Wir brauchen dafür sehr gut erhaltenes Material und das zu finden ist sehr kompliziert. Aber wir versuchen das in all unseren Urzeittieren aus der Eiszeit zu finden.

Sie haben bereits versucht, ein Mammut zu klonen. Was wurde daraus?

Viele Jahre lang haben wir versucht, intakte Zellen eines Mammuts zu finden. Das am besten erhaltene Mammut, das wir je gefunden haben, war auf der Novosibirsk-Halbinsel. Es hatte sogar noch flüssiges Blut. Wir haben es lange versucht und die Mammutzellen auch nach Korea gebracht. Erfolg hatten wir aber noch nicht.

Dr Hwang Woo-Suk ist ein verurteilter Betrüger
Dem koreanischen Veterinärmediziner und Wissenschaftler Dr. Hwang Woo-suk gelang es 2005, zum ersten Mal einen Hund zu klonen. Größere Bekanntheit erlangte Hwang, der damals Dekan an der Universität in Seoul war, für seinen angeblichen Durchbruch in der Stammzellenforschung. 2004 hatte der Forscher behauptet, einen menschlichen Embryo geklont und daraus elf verschiedene Stammzelllinien gewonnen zu haben. Doch seine Studie erwies sich als Fälschung, Hwang musste sich vor Gericht behaupten und seine Ämter abgeben.

Im Juli 2006 gründete der Forscher sein eigenes Institut, das Sooam Bioengineering Research Institute. Dort klont er seitdem gewerbsmäßig unter anderem Rinder, Schweine und Hunde. Erneute Schlagzeilen machte Hwangs Versuch, ein Mammut zu klonen. Nachdem er 2006 bereits daran gescheitert war, nahm er 2012 die Arbeit in Kooperation mit der Universität in Jakutsk wieder auf.
Bildergalerie: Eindrücke aus dem Klonlabor

Text: Lena Reichmann

Fotos zur Verfügung gestellt von Semyon Grigoriev, North Eastern Federal University (NEFU) Yakutsk

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