Fünf Pferde in Krefeld vergiftet: Besitzer suchen nach dem Täter

Fünf Pferde in Krefeld vergiftet: Besitzer suchen nach dem Täter

Brigitte Dreßen vor der Box, in der das Lieblingspferd ihres Mannes Karl Heinz stand. Seit dem Tod des Wallachs bleibt diese leer. Der Schmerz ist noch zu groß. Foto: Lena Reichmann
Innerhalb von vier Wochen starbem fünf Pferde auf einem Hof in Krefeld. Jetzt steht fest: Sie wurden vergiftet. Die Polizei ermittelt.

Brigitte Dreßen ist der Schock deutlich ins Gesicht geschrieben. In nur vier Wochen haben sie und ihr Mann fünf ihrer geliebten Pferde verloren. Nachdem die Familie, die seit 2013 das Gestüt Katharinenhof in Krefeld betreibt, alles daran gesetzt hat, die Ursache für die tragischen Todesfälle zu finden, haben sie seit wenigen Tagen Gewissheit: Die Tiere wurden vergiftet. Die Polizei hat die Ermittlungen bereits aufgenommen, eine Spur gibt es aber noch nicht, wie die zuständige Staatsanwaltschaft in Krefeld mitteilt.

Am 27. Februar starb das erste Pferd im Offenstall der Reitanlage aus zunächst völlig unerklärlichem Grund. Bis zum 22. März folgten vier weitere Tiere aus dem Besitz der Familie. Unter ihnen ein Pony, das seit 20 Jahren bei den Dreßens lebte und auf dem der Sohn reiten gelernt hatte. In Tränen aufgelöst erzählt er in einer WDR-Berichterstattung davon. Auch den Liebling von Brigitte Dreßens Mann Karl Heinz traf es. Ausgerechnet an seinem Geburtstag musste er den Wallach zum Einschläfern in die Tierklinik bringen. Die Box steht seitdem leer, das Stroh liegt noch darin. „Wir können es immer noch nicht glauben“, sagt Brigitte Dreßen betroffen. „Manchmal wartet man darauf, dass er einfach wieder seinen Kopf aus dem Fenster streckt.“

Die Stallgemeinschaft ist zusammengerückt

Seit Wochen leben Brigitte und Karl Heinz Dreßen in der ständigen Angst, dass wieder etwas passieren könnte. „Wir schlafen keine Nacht mehr“, sagt sie. Nachts halte ihr Mann Wache, tagsüber sie. Auch die Überwachungskameras auf dem Hof und in den Stallungen seien aufgestockt worden. Futter ist nur noch hinter einer abgeschlossenen Tür zu finden, nur die Eheleute selbst verteilen es an die Pferde. Die Leckerlis, die viele Reitschüler ihren Lieblingen mitbrachten, wurden vom Hof verbannt.

Eine bedrückte Stimmung liegt über der idyllischen Reitanlage mit den großen Weideflächen. Einstaller laufen über die Stallgasse und werfen prüfende Blicke in die Boxen. Einige haben mit ihren Pferden die Anlage verlassen. Obwohl die Dreßens offen mit ihnen und den umliegenden Ställen kommuniziert hätten und schnell eine ansteckende Krankheit als Ursache für die Todesserie ausschließen konnten, hatten sie zu viel Angst um ihre Pferde. Die anderen, so berichtet Brigitte Dreßen, seien dafür umso enger zusammengerückt. Auch die Reitschüler unterstützten sie, sähen verständnisvoll über die trübe Stimmung hinweg.

Hohe Belohnung für Hinweise zum Täter ausgesetzt

Die Ungewissheit, nicht zu wissen, wer hinter den Toden steckt, lastet schwer auf der Familie. So schwer, dass sie sich gezielt an die Öffentlichkeit gewandt hat. Am Ostersonntag hat sie in einem Facebookpost eine Belohnung in Höhe von 5000 Euro für denjenigen ausgesetzt, der entscheidende Hinweise zur Ergreifung des Täters liefern kann. Über eine halbe Million Menschen hat der emotionale Post erreicht. „Wir wollen nicht hinnehmen, dass man sich an einem unschuldigen Tier vergreift“, sagt Brigitte Dreßen. Mögliche negative Folgen durch die große mediale Aufmerksamkeit fürchte sie daher nicht. Auch der erhebliche wirtschaftliche Schaden sei zweitrangig. „Wir leben mit den Pferden. Sie sind wie unsere Kinder. Wenn eins stirbt, stirbt auch ein Stück von uns.“

Einige der Pferde auf dem Hof hätten eine tragische Vorgeschichte, erzählt Brigitte Dreßen. Sie und ihr Mann hätten sich stets mit viel Herzblut für die Tiere eingesetzt. Stolz erzählt sie auch von den Erfolgen, die ihre Reitschüler mit den Schulpferden erreiten konnten, von ihrer Zucht und davon, wie wichtig es ihr sei, dass ihre Verkaufspferde stets ein gutes Zuhause fänden. Umso schlimmer scheint für sie die Vorstellung zu sein, jemand könnte den Tieren bewusst geschadet haben.

Den Schuldigen zu ermitteln steht für die Dreßens deshalb zurzeit an erster Stelle. Doch die Polizei steht „noch ganz am Anfang der Ermittlungen“, wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft auf Nachfrage mitteilte. Ermittelt werde in fünf Fällen wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz und Sachbeschädigung. Denn Pferde gelten vor Gericht noch immer als Sache. Hinweise zu möglichen Tätern gebe es noch nicht. Kann ein Schuldiger tatsächlich ermittelt werden, droht ihm eine Geldstrafe oder Freiheitsstrafe von maximal drei Jahren.

Ein fatales Versehen ist nicht ganz auszuschließen

Die Tierschutzorganisation PETA hat sich inzwischen ebenfalls in den Fall eingeschaltet. Für Hinweise, die zur Ergreifung des Täters führen, zahle PETA 1000 Euro, heißt es in einer Pressemitteilung. „Vergiftungen durch Unbekannte werden bundesweit immer wieder bekannt. Derartige Täter müssen zur Rechenschaft gezogen werden. Wer wehrlose Tiere aus Spaß tötet, der schreckt möglicherweise auch nicht vor Gewalttaten gegenüber Menschen zurück“, erklärt PETA-Sprecherin Judith Pein. Ein örtlicher Tierschutzverein hat ebenfalls eine Belohnung ausgesetzt.

Noch ist nicht vollständig auszuschließen, dass eventuell ein furchtbares Versehen hinter den Todesfällen steckt. Zwar zeigen die Ergebnisse der von der Familie beauftragten toxikologischen Untersuchung eindeutig, dass die Pferde an den Folgen einer Vergiftung gestorben sind, dass dahinter eine böse Absicht steckt, steht jedoch nicht sicher fest. Immer wieder kommt es vor, dass Spaziergänger Pferden auf der Weide ein vermeintliches Leckerli zustecken und nicht wissen, welche schlimmen Folgen das haben kann. Brigitte Dreßen appelliert daher noch einmal inständig an alle, keine fremden Tiere zu füttern.

Text: Lena Reichmann

Gut gemeint, aber absolut unverantwortlich: Immer wieder füttern Menschen fremde Pferde mit vermeintlichen Leckereien ohne sich darüber im Klaren zu sein, dass sie dadurch die Gesundheit der Tiere gefährden. Symbolfoto: Jean Alves

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