Futterumstellung beim alten Pferd – ein Erfahrungsbericht (1)

Futterumstellung beim alten Pferd - ein Erfahrungsbericht Folge 1: Ein erschreckender Test

Verschiedene Pülverchen, Öle, Pellets und Elixiere, dazu Spezialmüsli: Noch vor wenigen Wochen habe ich diese Pferdebesitzer belächelt. Die, in deren Futtertonne die Auswahl größer ist als im heimischen Kühlschrank. Nun verbringe ich selbst mehr Zeit in der Futterkammer als in der Küche. Wie es soweit kommen konnte?

Mit zunehmendem Alter kamen bei Mr Sunshine die körperlichen Einschränkungen. Mit 16 wurde eine Herzerkrankung (degenerative Mitralklappeninsuffizienz) festgestellt, mit 18 bekam er Probleme mit dem Magen und kurz darauf gaben seine Nierenwerte Anlass zur Sorge. Damit veränderte sich auch sein Wesen. Der sonst so ausgeglichene, in sich ruhende sanfte Riese wurde mehr und mehr zum Nervenbündel, konnte nicht mehr still stehen und grub täglich seine komplette Box um. Die Folge: Das ohnehin schon schwerfuttrige Pferd nahm immer mehr ab.

Mr Sunshine (19). Foto: Lena Reichmann
Rat vom Fachtierarzt

Da der Haustierarzt trotz etlicher Untersuchungen nur mit den Schultern zuckte, rief ich Mr’s Kardiologin an. Seit Beginn seiner Erkrankung betreut sie ihn in Herzensangelegenheiten, hatte aber auch für andere Sorgen immer gute Ansätze. So hatte sie erkannt, dass er Probleme mit dem Magen hat, bevor er überhaupt Symptome gezeigt hatte.

Dr. Alexandra Feichtenschlager, Mr's Kardiologin. Foto: Praxis am Klörenhof

Am Telefon sprachen wir ausführlich über alle Veränderungen, die auf den ersten Blick so gar nicht zusammenzupassen schienen. Die Expertin war sicher, dass sich hinter all dem mehr verbergen musste, als die bisherigen Untersuchungen vermuten ließen. Doch was auch immer da war, es schien sich gut zu verstecken, denn Bluttests ergaben nichts wirklich Handfestes. Statt dort weiter zu suchen, entschieden wir uns deshalb für einen anderen Ansatz.

“Es gibt da ein einziges Labor, das diesen Test in Deutschland durchführt”, erzählte mir die Fachtierärztin. Die Rede war von einer speziellen Haaranalyse. Dabei werden Mähnenhaare in einem aufwendigen Verfahren in ihre einzelnen Atome aufgespalten. So lässt sich genau erkennen, welche Stoffe darin vorhanden sind – und auch, welche nicht. Gerade in letzteres steckten wir unsere ganze Hoffnung. Denn es galt, herauszufinden, ob Mr nicht doch Mineralien und Spurenelemente fehlen.

Versteckte Mängel mit Folgen

Dass das nicht über Bluttests gelungen war, ist ein Zeichen seines Kompensationstalents. Selbst, wenn dem Körper wichtige Mineralien fehlen, weiß er sich nämlich zu helfen und bedient sich aus den Reserven – in Haaren und Knochen etwa. So bleibt der Blutwert normal, obwohl der Körper mit Mängeln kämpft. Das hat natürlich langfristig Folgen, deren Ursache aber zunächst völlig unklar ist. Unsere Hoffnung war also, über die sogenannte Spektralanalyse (übrigens nicht mit einer einfachen Haaranalyse zu verwechseln!) versteckte Mängel bei Mr zu finden.

Auszug der Ergebnisse der Blutuntersuchung. Links Mr's Werte, rechts die Soll-Werte. Auffällig unauffällig: Es gibt keine Mängel.

Drei Wochen, nachdem ich ein ganzes Büschel seiner ohnehin schon recht lichten Mähne ausgerupft und an das Labor in Norddeutschland geschickt hatte, kam endlich das Ergebnis in einem dicken Umschlag. Für mich eine große Überraschung: Quasi alle Vitamine, Mineralien und Spurenelemente waren im Defizit. Und der Phosphat-Wert, der Aufschluss über die Nierenfunktion gibt, erhöht, obwohl ich Mr’s Nieren bereits unterstützt hatte.

Auszug des Ergebnisses der Spektralanalyse. Sie zeigen deutliche Mängel. Hinweis: Die Werte der Untersuchungen liegen in anderen Einheiten vor.
15 Seiten voller Hinweise

Nach dem anfänglichen Erstaunen über die schlechten Werte, war ich aber auch etwas erleichtert: Immerhin hatte ich nun endlich Hinweise darauf, was Mr fehlt, die gut 90 Euro waren also gut investiert gewesen. Der 15-seitige Laborbericht gab außerdem zahlreiche Hinweise, wie sich die Mängel ausgleichen ließen. So viele, dass ich völlig überfordert war. Ich schickte das Dokument also der Kardiologin und wir vereinbarten eine ausführliche Futterberatung.

Das Ergebnis: Ein Schrank voller Pülverchen, Öle, Pellets und Elixiere und ein Sack Spezialfutter in der Futtertonne. Seit drei Wochen bekommt Mr nun den gesunden Cocktail. Und – ich hoffe, ich bilde es mir nicht ein – er sieht tatsächlich schon etwas besser aus.

In der nächsten Folge erkläre ich, was Mr fehlt, und zeige, wie sein Futterplan jetzt aussieht.

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