Futterumstellung beim alten Pferd – ein Erfahrungsbericht (6)

Futterumstellung beim alten Pferd - ein Erfahrungsbericht
Folge 6: Herzensangelegenheiten

Mit etwas Verspätung, dafür aber mit jeder Menge Neuigkeiten melde ich mich zurück. Inzwischen hat die nervige Decken- und Paddocksaison begonnen. Für Mr sind Herbst und Winter immer besonders hart – weil die Kälte seinen Gelenken Probleme macht, weil er oft körperlich nicht so fit ist wie geistig und weil ihm das Weidegras im Futterplan schmerzlich fehlt. Und so startete unser Herbst nicht nur mit einer weiteren Futterumstellung, sondern gleich mit zwei Tierarztbesuchen.

Doch von vorn: Eigentlich stand die jährliche Herzuntersuchung bereits für Mitte September auf dem Plan. Fachärzte für Tiere unterscheiden sich aber nicht stark von denen für Menschen: auf einen Termin muss man schon mal länger warten. Trotz sehr zeitiger Anfrage verschob sich der Check-Up also auf Anfang November. Auf die spannende Frage, inwieweit sich der ganze Futtermittel-Mischwahnsinn auszahlt, gab es damit erst verspätet eine Antwort.

Ganz viele Aufnahmen vom Pferdeherz

Immerhin wusste ich nach der Blutuntersuchung Anfang September zwar, dass es Mr zumindest nicht merklich an Mineralien und Vitaminen mangelt und auch sein Futterzustand hatte sich seit Mai sichtlich verbessert. Ob die Extraportionen allerdings auch sein geschwächten Herz stärkten, sollte eine Ultraschalluntersuchung zeigen. Zur Erinnerung: Mr leidet an einer Mitralklappeninsuffizienz, eine Herzklappe schließt nicht richtig, wodurch bei jedem Herzschlag Blut zurückströmt. Außerdem ist sein Herz leicht vergrößert. Das ist nicht heilbar und wird sich wohl nicht mehr zurückbilden. Ziel ist daher, den Ist-Zustand zu erhalten. Das heißt: Kardiotraining und eben eine kontrollierte Mineralstoffzufuhr, vor allem Selen ist wichtig für ihn.

Hier geht es zum Hintergrund-Artikel: Neue Hoffnung für herzkranke Pferde

30 lange Minuten dauerte es, bis die Kardiologin mit ihrer Untersuchung fertig war. Sie hörte Mr ab und machte zahlreiche Aufnahmen mit dem mobilen Ultraschallgerät, notierte sich Zahlen auf einem Bogen. Dann, kurz, knapp und sachlich, ihr Ergebnis: „Sieht gut aus, Sie können weitermachen wie bisher.“ Hieß: Seine Insuffizienz hat sich nicht verschlimmert und sein Herz ist nur einige Millimeter größer als im Vorjahr – das kann zum Teil sogar eine tagesformabhängige Schwankung sein.

Freudensprünge und böses Erwachen

Für mich heißt das: Ich darf meinen Großen weiter reiten. Und für Mr, dass er keine Medikamente bekommen muss. Noch ist sein Herz so fit, dass es die zweitgradige Insuffizienz komplett kompensieren kann. An dieser Stelle muss trotzdem noch einmal gesagt werden: Egal, wie gut man sein Pferd zu kennen glaubt, eine Herzkrankheit ist nicht zu erkennen. Denn als Fluchttier lassen Pferde sich das nicht anmerken. Nur ein Facharzt kann herausfinden, wie es wirklich im Innern aussieht. Fragt deshalb euren Tierarzt regelmäßig, ob er euren Liebling abhören kann. Im schlimmsten Fall bricht ein herzkrankes Pferd ohne Vorwarnung unter seinem Reiter zusammen.

Ob Mr Freudensprünge wegen der guten Ergebnisse gemacht hat oder auf dem Paddock zu wild getobt hat, weiß ich nicht. Keine Woche nach der Untersuchung holte er sich jedoch erst einmal einen Krankenschein. Hufgeschwür. Dank Schmied und Tierarzt war er zwar nach fünf Tagen Boxenruhe wieder fit, die mangelnde Bewegung und die kalten Nächte bekamen ihm trotzdem nicht gut. Bis er wieder halbwegs locker ging, verging noch einmal eine ganze Woche.

Das Pferdeherz

Das Herz ist das erste Organ, das sich beim Pferdeembryo entwickelt. Später wiegt es etwa vier Kilo. Der Ruhepuls eines erwachsenen Pferdes liegt beit 28 bis 40 Schlägen pro Minute. Unter Höchstbelastung werden es bis zu 250 (ein menschliches Herz schafft maximal 194). Ein Pferd hat rund sieben Prozent seines Körpergewichts an Blut.

Getarnte Heucobs

Sorgen bereitete in diesen Tagen außerdem die Umstellung von der Weide auf den Paddock. Das Gras, das dadurch wegfällt, zu ersetzen, ist keine leichte Aufgabe, aber absolut wichtig, damit der schwerfuttrige Quengelknabe nicht vom Fleisch fällt. Das Problem: Große Heuportionen werden in der Box untergegraben, größere Mengen Heucobs verschmäht er, gerade, wenn sie pur gereicht werden. Im Moment versuchen wir es deshalb mit zwei Portionen Heucobs pro Tag, die mit Müsli oder Mash „getarnt“ werden. Löst man darin noch die Nierenkräuter auf, schmeckt es dem Großen sogar halbwegs.

Ob das auch dauerhaft funktioniert und wie das Winter-Trainingsprogramm mit Spat aussieht, ist Thema der nächsten Folge.

Titelbild: Tierärztliche Hochschule Hannover/ Raman Oza, eigene Darstellung

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