Gefährlicher Taktfehler: Herzkrankheiten beim Pferd

Gefährlicher Taktfehler:
Herzkrankheit beim Pferd

Herzerkrankungen bleiben oft unbemerkt. Dabei kann es schlimme Folgen haben, wenn das Pferdeherz aus dem Rhythmus kommt.
Oft ist von außen nicht zu erkennen, ob das Herz richtig arbeitet. Foto: privat

Zeigt das Pferd im Bewegungsablauf Taktfehler, ist der Reiter sofort alarmiert: Hier stimmt etwas nicht. Ein anderer, viel schlimmerer Taktfehler bleibt dagegen oft jahrelang unentdeckt: Schlägt das Herz nicht mehr im richtigen Rhythmus, ist das von außen nicht erkennbar. Der Körper kann die Probleme meist lange kompensieren. Das kann fatale Folgen haben. Im schlimmsten Fall bricht das Tier im Training zusammen. 

Sowohl Freizeit- als auch Sportpferdeherzen können erkranken, wie Dr. Tobias Niebuhr von der tierärztlichen Hochschule in Hannover erklärt: „Herzerkrankungen können bei allen Pferderassen und Altersklassen vorkommen.“ Am weitesten verbreitet seien Krankheiten, die dazu führen, dass die Herzklappen sich nicht mehr vollständig schließen. Durch den Defekt fließt bei jedem Schlag Blut zurück ins Herz. Um den Körper trotzdem weiter mit genügend Sauerstoff versorgen zu können, muss das Organ seine Pumpleistung erhöhen, also schneller schlagen.

Verschleppte Infekte können das Herz schädigen

Diese Veränderung der Herzklappen ist bei einigen Pferden angeboren. Oft wird sie aber im Laufe des Lebens erworben. Das kann durch einen verschleppten Infekt passieren. Wenn das Tier Fieber hatte und zu früh wieder mit dem Training begonnen wird, kann das zu einer Herzklappen- oder Herzmuskelentzündung führen. Das ist oft ein schleichender Prozess im Verborgenen, wie Niebuhr erklärt: „Geringgradige Herzerkrankungen sind für den Besitzer nicht erkennbar.“ Gerade Freizeitpferde, die nur geringen Belastungen durch Reiten ausgesetzt sind, können oft lange Zeit unbemerkt mit der Krankheit leben. Erst, wenn sie weiter voranschreitet, sind Symptome festzustellen.

Der Herzultraschall zeigt die Arbeit der Herzklappen. Schließen sie nicht richtig, fließt Blut zurück ins Herz. Foto: Tierärztliche Hochschule Hannover

Leistungsschwäche oder Gewichtsabnahme sind laut Niebuhr erste Warnsignale für eine schwere Herzerkrankung. Später können Wassereinlagerungen unter der Brust oder ein starkes Pulsieren der Halsvene in Richtung des Pferdekopfes beobachtet werden. Das sind Anzeichen dafür, dass das Herz den Defekt nicht mehr ausgleichen kann. In diesem Stadium kann es laut Niebuhr sogar zu einem plötzlichen Kollaps kommen.

Gutes Management ist die beste Prophylaxe

Damit es nicht soweit kommt, können Pferdebesitzer vorbeugende Maßnahmen ergreifen: „Prophylaxe zielt hauptsächlich auf ein sorgfältiges Management ab”, erklärt Niebuhr. Wichtig sei zum Beispiel, dass der Tierarzt das Herz regelmäßig abhöre. Eine Routineuntersuchung, die vor jeder Impfung durchgeführt werden sollte. Denn eine frühe Erkennung ist wichtig, um den größtmöglichen Erfolg bei der Behandlung zu haben.

Auch eine ausgewogene Ernährung ist wichtig. Besonders auf den Elektrolythaushalt sollten Besitzer achten. Bei starkem Schwitzen muss der Verlust über das Futter ausgeglichen werden. Dazu gibt es verschiedene Zusatzfuttermittel im Handel. Denn „Elektrolytimbalanzen können unter anderem zu Herzrhythmusstörungen führen”, so Niebuhr. Auch Vitaminmangel kann sich negativ auf der Herz auswirken. Zur Vorbeugung kann es deshalb sinnvoll sein, vor allem Vitamin E und Selen in ausreichenden Mengen über Zusatzfuttermittel zu füttern.

Regelmäßige Kontrollen sind wichtig
Das Belastungs-EKG kann in einer Klinik durchgeführt werden. Foto: Tierärztliche Hochschule Hannover

Wird trotz aller Vorsicht doch eine Herzerkrankung festgestellt, sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen wichtig. Nur so kann der behandelnde Tierarzt entscheiden, ab wann eine Therapie sinnvoll ist. „Auch für die Sicherheit für Reiter und Pferd ist dies unabdingbar.” Für das Voranschreiten der Krankheiten gilt nämlich: Von außen ist oft erst etwas zu sehen, wenn der Zustand sich stark verschlechtert hat. Gerade Klappenerkrankungen, die sich im Alter tendenziell verschlimmern, sollten deshalb nicht unterschätzt werden.

Sollte sich der Befund so verschlechtern, dass das Pferd die Krankheit nicht mehr kompensieren kann, können Medikamente helfen. Sogenannte ACE-Hemmer versprechen Linderung, verstoßen aber gegen die Dopingbestimmungen. Eine dauerhafte Einnahme führt daher zum Ausschluss aus dem Sport. Außerdem müssen Besitzer mit Kosten von etwa 60 Euro pro Monat rechnen.

Text: Lena Reichmann

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