Nach Herpes-Ausbruch: Turniere in ganz Europa abgesagt

Nach Herpes-Ausbruch: Turniere in ganz Europa abgesagt

Update: Die FEI hat fast alle internationalen Turniere gestoppt, die FN zieht nach.

Ein gefährliches Virus hat die Valencia Spring Tour bis auf weiteres gestoppt. Bei dem mehrwöchigen internationalen Springturnier in Spanien ist nach Angaben des International Jumping Riders Club (ijrc) mindestens ein Pferd am Equinen Herpesvirus (EHV-1) erkrankt. Der Veranstalter hat den letzten Wettkampftag der vierten und alle Prüfungen der fünften Woche abgesagt. Zahlreiche Pferde werden nun auf die ansteckende Krankheit getestet.

„Mit Tränen in den Augen muss ich sagen, dass diese Situation alle Reiter und das Organisationskomitee betroffen gemacht hat“, sagt Charo Ortells Torregrosa, Show Director der CES Valencia Tour. Während viele Reiter noch auf die Testergebnisse auf dem Labor warten, warnt der Weltreiterverband FEI vor einer vorzeitigen Abreise. Ein krankes Pferd zu transportieren widerspricht nicht nur dem EU-Verkehrsrecht. Das Risiko, dass betroffene Tiere beim Transport oder später im heimischen Stall andere anstecken ist bei Herpes groß.

Reiter, die schon die nächsten Turnierstarts mit ihren Pferden geplant hatten, müssen außerdem womöglich umplanen. Wegen des Virusausbruchs hat die FEI die Pferde, die auf dem Turniergelände untergebracht waren, vorläufig gesperrt. Erst, wenn sie nachweislich nicht mit EHV-1 infiziert sind, dürfen sie wieder an Turnieren teilnehmen. Die Veranstalter der anderen Touren, die gerade auf der iberischen Halbinsel laufen, sind bereits informiert und sollen Nennungen im Zweifel ablehnen.

+++ Update 1. März 2021

Mindestens vier Pferde sind inzwischen an dem Virus verstorben, darunter die Stute Casta Lee FRH, Toppferd des deutschen Nachwuchsspringreiter Tim Uwe Hoffmann. Die FEI spricht vom schlimmsten Herpesausbruch in Europa seit Jahrzehnten. In einer aktuellen Stellungnahme heißt es:

„Uns wurde mitgeteilt, dass sich derzeit noch über 150 Pferde auf dem Gelände befinden. Insgesamt 72 Pferde zeigen klinische Anzeichen von EHV-1. Von den 47 Pferden, die getestet wurden, sind nun 17 bestätigt, mit dem Virus infiziert.

Von diesen Pferden wurden drei mit neurologischen Symptomen in die Tierklinik verlegt. Eines dieser Pferde soll sich jedoch gut erholt haben und wird voraussichtlich in Kürze zum Veranstaltungsort zurückkehren. Wir erhalten Informationen, dass es noch weitere Pferde mit neurologischen Symptomen geben könnte, haben dafür aber noch keine Bestätigung.

Darüber hinaus gibt es vier bestätigte Fälle von Pferden, die den Veranstaltungsort am 14. Februar verlassen haben und kurz nach ihrer Rückkehr in ihr Heimatland erkrankt sind, sowie zwei mögliche weitere Ausbrüche in einem dritten Land, die auf Valencia zurückgeführt werden können.

Die FEI steht in direktem Kontakt mit dem spanischen Verband, der eng mit der zuständigen Veterinärbehörde in der Region Valencia, Sanidad e Higiene Animal y Trazabilidad, zusammenarbeitet. Diese Behörde hat den Veranstaltungsort in Valencia abgeriegelt und zur Isolierstation erklärt.

Um die sehr schwierige Situation für Athleten, Besitzer und Pfleger mit Pferden, die sich noch am Veranstaltungsort in Valencia aufhalten, zu erleichtern, hat die FEI die regionalen Veterinärbehörden um die Erlaubnis gebeten – und die Zustimmung erhalten – fünf zusätzliche Tierärzte vor Ort zuzulassen, um die betroffenen Pferde zu behandeln. Die FEI organisiert derzeit die Entsendung dieser fünf Tierärzte sowie zusätzliches medizinisches Material, das an den Veranstaltungsort geliefert werden soll.

Wir haben außerdem von den regionalen Veterinärbehörden einen detaillierten Plan für die Behandlung kranker Pferde, das Management des Ausbruchs und den Plan für den Abtransport der gesunden Pferde vom Veranstaltungsort angefordert.“

+++ Update 2. März 2021

Um die Ausbreitung des Virus zu stoppen, haben die FEI und nationale Verbände angeordnet, nahezu alle Veranstaltungen abzusagen. Die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) hat dazu eine Pressemitteilung veröffentlicht:

„Die FN hat in den vergangenen Tagen alle deutschen Teilnehmer des Turniers kontaktiert und darüber aufgeklärt, welche Infektionsschutzmaßnahmen auf der Heimreise sowie nach der Reiserückkehr zu beachten sind. Leider steht auch fest, dass nach aktuellem Stand vier deutsche Pferde dem Virus zum Opfer gefallen sind. Um eine weitere Ausbreitung des Virus zu verhindern, hat der Weltreiterverband FEI fast alle internationalen Turniere in zehn europäischen Ländern bis einschließlich 28. März 2021 abgesagt und empfiehlt den nationalen Verbänden, auch alle weiteren Turniere abzusagen. Dies setzt die FN nun um.

Um die weitere Verbreitung des Virus zu verhindern, hat der Weltreiterverband vorsorglich die allermeisten internationalen Turniere in Frankreich, Spanien, Portugal, Belgien, Italien, Österreich, Polen, den Niederlanden, Deutschland und der Slowakei bis einschließlich 28. März 2021 abgesagt. Mehrwöchige Touren in Vejer de la Frontera (ESP), Vilamoura (POR), San Giovanni in Marignano (ITA) und Gorla Minore (ITA), zu denen die Reiter und Pferde bereits angereist sind, sollen jedoch weiter stattfinden. Allerdings unter strengsten Infektionsschutzmaßnahmen.

In Abstimmung mit den Landespferdesportverbänden werden in Deutschland ab sofort alle nationalen Pferdesport-Veranstaltungen bis einschließlich 28. März 2021 abgesagt. Darüber hinaus schließt das DOKR den Bundesstützpunkt in Warendorf für externe Pferde und sagt alle zentralen und dezentralen Sichtungslehrgänge sowie das HGW-Bundesnachwuchschampionat der Springreiter ab. In Abstimmung mit den Zuchtverbänden werden auch die im März anstehenden Sportprüfungen für Hengste und Körungen verschoben. Die FN sowie ihre Mitglieds- und Anschlussverbände empfehlen dringend, alle sonstigen Veranstaltungen, bei denen Pferde aus verschiedenen Beständen zusammenkommen, abzusagen. Laufende Veranstaltungen sollen gestoppt werden. Diese Maßnahmen sind erforderlich, um einer Ausbreitung des Virus vorzubeugen. Das Training im heimischen Verein oder Betrieb ist davon ausgenommen, auch wenn dazu das Pferd transportiert werden muss.

Um die weitere Verbreitung des Virus zu verhindern, hat der Weltreiterverband vorsorglich die allermeisten internationalen Turniere in Frankreich, Spanien, Portugal, Belgien, Italien, Österreich, Polen, den Niederlanden, Deutschland und der Slowakei bis einschließlich 28. März 2021 abgesagt. Mehrwöchige Touren in Vejer de la Frontera (ESP), Vilamoura (POR), San Giovanni in Marignano (ITA) und Gorla Minore (ITA), zu denen die Reiter und Pferde bereits angereist sind, sollen jedoch weiter stattfinden. Allerdings unter strengsten Infektionsschutzmaßnahmen. Die Fortführung dieser Turniere dient dazu, große Rückreise-Wellen zu verhindern. Es dürfen jedoch keine neuen Pferde anreisen. Abreisen dürfen weiterhin nur Pferde, die keine Symptome vorweisen und für die ein Gesundheitszertifikat der örtlichen Veterinärbehörde ausgestellt wurde. Zudem müssen diese Pferde im Heimatstall separiert werden. Die FN rät allen Reiserückkehrern, Kontakt zu ihrem zuständigen Amtsveterinär aufzunehmen, um weitere Infektionsschutzmaßnahmen abzustimmen.“

Bereits Montag, 1. März 2021, hatten die ersten Veranstalter Turniere abgesagt. Der französische Verband hatte den Appell der FEI als einer der ersten umgesetzt und mit sofortiger Wirkung alle nationalen und internationalen Pferdeleistungsschauen im Land untersagt.

Text: Lena Reichmann, Titelbild: CES Valencia Tour

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