Herpes-Verdacht: 13 Pferde auf Klever Gnadenhof sind tot

Herpes-Verdacht: 13 Pferde auf Klever Gnadenhof sind tot

Eine Todesserie erschüttert den Kreis Kleve. 13 Pferde sind gestorben. Die Suche nach der Ursache geht weiter. Verdacht: Herpes.

13 Pferde sind tot, die Ursache dafür ist unklar: Das ist auf einem Gnadenhof bei Kleve passiert. Zwischen Ende Oktober und Mitte November sind 13 Tiere verendet, einige davon mussten eingeschläfert werden. Sie zeigten unter anderem Gleichgewichtsstörungen. Die Betreiber gingen Berichten zufolge zunächst davon aus, dass die Pferde vergiftet wurden. Untersuchungen des Futters verliefen jedoch negativ. Eine Straftat war nicht auszuschließen. Jetzt gibt es eine neue Spur: Das Equine Herpesvirus könnte die meist älteren, geschwächten Tiere krank gemacht haben.

Einen klinischen Beweis dafür gibt es jedoch bisher nicht, die Tierärztliche Hochschule (TiHo) Hannover konnte das Virus nicht nachweisen. Das muss allerdings nicht heißen, dass die Tiere nicht daran erkrankt waren. Lässt sich Herpes nämlich nicht in Blut, Serum oder Gehirnflüssigkeit nachweisen, kann das Pferd trotzdem das Virus in sich tragen. Eine zweite Probe einige Tage später kann dann Gewissheit bringen. Dann können Antikörper nachgewiesen werden. In Nordrhein-Westfalen können Mitglieder der Tierseuchenkasse NRW Proben kostenlos untersuchen lassen.

Weitere Proben waren wohl positiv

Im Klever Fall sollen nach der Untersuchung durch die TiHo Hannover weitere Proben an ein privates Labor geschickt worden sein. Pferde-Reich wurde berichtet, dass diese positiv auf Herpes getestet worden seien. Da das Virus nicht meldepflichtig ist, muss das Veterinäramt nicht eingreifen. Dem WDR teilte die Behörde am Dienstag mit: „Aufgrund des klinischen Erscheinungsbilds und der Stellungnahme der Tierärztlichen Hochschule Hannover geht der Kreis Kleve von einer Infektion mit dem equinen Herpesvirus aus, obwohl der Erreger bislang nicht nachgewiesen worden ist. Equine Herpesvirusinfektionen sind nicht anzeige- oder meldepflichtig. Deshalb ist es nicht Aufgabe der Veterinärbehörde, eine Sperre auszusprechen.“

Fast 90 Prozent aller Pferde tragen Herpesviren in sich. In der Regel bricht die Krankheit jedoch nicht aus. In Stresssituationen oder bei Krankheit können Symptome auftreten. Insgesamt gibt es vier verschiedenen Virustypen, verbreitet sind aber EHV 1 und 4. Erkrankte Pferde leiden an Fieber, oft über 39 Grad Celsius, Nasen- und Augenausfluss und Husten. EHV 1 kann das Nervensystem schädigen. Es kommt zu Koordinationsstörungen wie einem schwankenden, unkoordinierten Gang oder Lähmungserscheinungen, insbesondere der Hinterhand, bis hin zum Absterben einzelner Nervenbereiche.

Turniere im Umkreis abgesagt

Weil es sich um eine Viruserkrankung handelt, können nur die Symptome behandelt und das Immunsystem betroffener Tiere gestärkt werden. Da die Viren über Tröpfcheninfektion weiterverbreitet werden, sollten Stallbetreiber zudem umfassende Quarantänemaßnahmen treffen und kranke von gesunden Pferden trennen. In Kleve keine einfach Aufgabe bei rund 140 Tieren und ein enormer Aufwand bei der Versorgung. Zumal sich das Virus noch monatelang im Bestand halten kann.

Einige Veranstalter haben auf die Fälle bereits reagiert und Turniere im Umkreis abgesagt. Denn auch wenn das Virus für junge, gesunde Tiere meist nicht so gefährlich ist und die Krankheit nicht tödlich verlaufen muss, ist ihnen das Risiko zu groß.

Tierärzte raten zur Impfung

Tierärzte raten indes zur Impfung. Die schützt jedoch nur, wenn der komplette Bestand geimpft ist. Experten gehen davon aus, dass aktuell nur rund zehn bis 15 Prozent der Pferde in Deutschland gegen EHV geimpft sind. Gründe seien Impfmüdigkeit der Besitzer, Lieferengpässe und, nicht zuletzt, Angst vor Nebenwirkungen. Denn zu kaum einer anderen Impfung gibt es mehr Berichte darüber, dass Tiere empfindlich darauf reagiert haben, sogar dauerhafte Lahmheiten oder Ataxien zeigten. Hersteller können zwar bislang keinen klaren Zusammenhang zur Impfung herstellen, ein Restzweifel bleibt jedoch.

Text: Lena Reichmann

Titelbild: Alexa/Pixabay

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