Klone kommen in Sport und Zucht an

Klone kommen in Zucht und Sport an

Immer mehr Züchter setzen auf geklonte Pferde. Forscher haben das Verfahren verbessert und bieten es mittlerweile deutlich vergünstigt an. Doch es gibt Kritik.

Was wie Science Fiction klingt, ist mittlerweile Alltag geworden: Forscher klonen erfolgreiche Sportpferde in ihren Labors, um sie ihre Gene für die Zucht zu erhalten. Hugo Simons E.T., Ulla Salzgebers Rusty, Ludger Beerbaums Ratina Z – sie alle wurden bereits kopiert und das gleich mehrfach. Während Befürworter der Technologie davon schwärmen, wie ähnlich sich Original und Klon sind, zweifeln Kritiker an der Sinnhaftigkeit der Methode.

Nachdem es Wissenschaftlern 1996 gelungen war, mit Schaf „Dolly“ zum ersten Mal ein Tier zu klonen, dauerte es einige Jahre, bis sie die Technologie auch bei anderen Tierarten beherrschten. Das erste kopierte Pferd, erschaffen von italienischen Genforschern, erblickte 2003 das Licht der Welt. Nach diesem Durchbruch verbreitete sich die Technik weiter. Das französische Genlabor Cryozootech klonte mehrere erfolgreiche Dressur- und Springpferde und der texanische Konzern Viagen, der eigenen Angaben zufolge über 50 Millionen Dollar in die Weiterentwicklung der Methode investiert hatte, bot Klonen kommerziell an. Damals kostete ein kopiertes Pferd rund 150.000 Euro.

Zweifel an Gesundheit von Klonen

Doch Klonen war umstritten. Kritiker gingen davon aus, die Tiere seien anfälliger für Krankheiten, ihre Lebenserwartung geringer. Auch darüber, wie sehr die Klone ihren Vorbildern wirklich ähneln, wurde diskutiert. Denn immer wieder fiel auf, dass einige der Klonpferde andere Abzeichen hatten als das Original – so auch der E.T.-Klon aus Frankreich. Gentests belegten jedoch, dass die Original und Kopie zumindest genetisch identisch sind, in der Zucht also tatsächlich die gleichen Gene weitergeben können.

Aufwendiger sind die Forschungen zur Robustheit der Klone. Dr. Katrin Hinrichs von der Universität in Texas, die sich auf Reproduktion und Klonen spezialisiert hat, führte dazu eine Studie durch. Anfangs zeigte die Forscherin sich der Technologie gegenüber kritisch. Bislang ist jedoch kein Fall bekannt, in dem ein Klon gesundheitliche Schwächen hatte. Heute räumt sie deshalb ein: „Es gibt keine Studien, die belegen, dass sie Probleme haben.“ Dabei sei zu erwarten, dass dies der Fall wäre, wenn Anfälligkeiten aufträten.

Der Klonvorgang. Grafik: eigene Darstellung/Illustration: freepix
Die Technik wird massentauglich

Blake Russell ist der Vorsitzende von Viagen und vollkommen von der Technik überzeugt: „Wir klonen Springpferde, Vielseitigkeitspferde, Polopferde, Quarter Horses, Gangpferde und sogar Ponys und Miniaturpferde. Es sind sehr aufregende Zeiten, weil geklonte Pferde beginnen, ihr Potential zwischen Zuchteinsatz und Wettkampfarena zu demonstrieren.“ Seine Firma habe nicht aufgehört, die Technik zu verbessern. Mit Erfolg: Mittlerweile kostet ein Klon aus Texas rund 75.000 Euro – also nur noch halb so viel wie vor 10 Jahren.

Etwa 200 geklonte Pferde gab es Schätzungen zufolge vor 10 Jahren. Wie viele es heute sind, lässt sich kaum noch feststellen. Weil die Nachfrage wächst und die Technik weltweit Nachahmer gefunden hat, steigt ihre Zahl täglich. Auch asiatische Labore drängen auf den wachsenden Markt. Wegen des nach wie vor recht hohen Preises, werden in den meisten Fällen aber noch immer erfolgreiche Spitzenpferde kopiert – zu Zuchtzwecken. Denn so rentiert sich die Investition.

„Die Ratinas“ von Zangersheide

Die legendäre Ratina Z, auch „Stute des Jahrhunderts“ genannt, gewann unter ihrem Reiter Ludger Beerbaum Gold bei Europameisterschaften, Weltreiterspielen und Olympia. Das belgische Gestüt Zangersheide beschreibt sie als Pferd mit „Herz aus Gold und Springfedern unter den Füßen“. Zu ihren Lebzeiten bekam sie mehrere Fohlen. Gestütschef Leon Melchior reichte das jedoch nicht aus. Er schickte die Stute nach ihrer Sportkarriere nach Mexiko und sie wurde durch Embryotransfer in einem Jahr gleich drei mal Mutter.

Doch auch das war dem Züchter nicht genug. Zwei Jahre vor ihrem Tod ließ er Ratina Z klonen. 2009 kamen gleich drei Kopien von ihr zur Welt: Ratina Alpha Z, Ratina Beta Z und Ratina Gamma Z. Die Erst- und Drittgeborene produzieren seither in Lanaken jedes Jahr mehrere Fohlen, Ratina Beta Z starb bei einem Weideunfall. Als Ersatz ließ das Gestüt einen weiteren Klon anfertigen, Ratina Gamma Z.

Diese regelrechte Serienproduktion rechtfertigen die Verantwortlichen damit, den Stamm erhalten zu wollen: „Die Ratinas sind von so großem Wert, dass sie nur in der Zucht eingesetzt werden, um den Ausbau des Ratina-Stammes weiterhin möglich zu machen.“ Für Ludger Beerbaum eine völlig überflüssige Praxis: „Aus meiner Sicht braucht kein Mensch das Klonen“, sagt der erfolgreiche Reiter und Züchter.

Experte: Methode steht dem Zuchtfortschritt im Weg

Auf dem Gestüt Zangersheide leben auch einige geklonte Hengste. Sie sind im Zuchteinsatz für das belgische Stutbuch. Einer von ihnen ist Chellano Alpha Z, der Klon des unter Jos Lansink erfolgreichen Hengstes Chellano Z. Norbert Boley, Leiter der Abteilung Hengsthaltung des Holsteiner Verbandes, kritisiert den Einsatz des Klons. „Statt einen Hengst zu klonen, sollte die Zucht lieber mit seinen Nachkommen fortgeführt werden“, sagt er. Und er ist in diesem Fall persönlich betroffen: Seine Frau ist Züchterin des Originals, mit dessen Kopie die belgischen Züchter nun Geld verdienen. Eine Praxis, die dem Zuchtfortschritt im Wege stehe, wie der Zuchtexperte erklärt. Junge Hengste hätten es so zudem schwerer, sich gegenüber der namhaften Konkurrenz zu etablieren.

Klon von Wallach E.T. im Zuchteinsatz

Hugo Simon saß selbst viele Jahre im Sattel einer Legende. Mit Wallach E.T. gewann er gleich zwei mal das Weltcupfinale und erritt Einzelsilber bei der Europameisterschaft in Mannheim 1997. Während der Hannoveraner noch seinen Ruhestand auf der heimischen Weide genoss, entstand in einem Reagenzglas in Texas sein Klon E.T. Cryozootech-Stallion – benannt nach dem Genlabor mit Sitz in Frankreich, das ihn schuf.

Nach dem Tod seines „Lebenspferdes“ im Jahr 2013 entschloss sich der österreichische Reiter, eine seiner Stuten ein Fohlen von dessen Klon bekommen zu lassen. 2015 kam E.T.s Girl auf dem Hof der Simons zur Welt. Anders als Beerbaum und Boley ist Simon von den Möglichkeiten des Klonens begeistert. Der Reiter spricht immer wieder davon, wie glücklich er sei, dass die Gene seines Ausnahmepferdes so weiterleben könnten. Auch, weil E.T. als Wallach nie selbst in der Zucht eingesetzt werden konnte.

Nicht nur eine Option für die Zucht

Die Gentechnik eröffnet jedoch nicht nur züchterisch ganz neue Perspektiven: Auch auf Wettkämpfen können längst verstorben geglaubte Gene wieder mitmischen. Denn die internationale reiterliche Vereinigung (FEI) erlaubt Klonen, auf Turnieren zu starten. Unfair sei das nicht, betont eine Sprecherin: „Die Performance eines geklonten Pferdes kann aus vielen Gründen nicht mit der des originales Pferdes verglichen werden.“ Dazu gehörten etwa die Entwicklung im Uterus der Mutter, der Ernährung, das Training „und das Verständnis, dass Klone nicht exakt das selbe wie das Original“ seien. Nachkommen von Klonen sind deshalb ebenfalls von der FEI zugelassen, zumal sie auf konventionelle Weise entstanden seien, wie die Sprecherin betont.

Auch auf deutschen Turnieren sind Klone erlaubt. Jedenfalls theoretisch. Denn wie die Reiterliche Vereinigung (FN) auf Nachfrage mitteilt, sind bisher noch keine kopierten Pferde in Deutschland als Turnierpferd eingetragen.

Text: Lena Reichmann

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