Late Entry: Turnier für Kurzentschlossene

Turniere für Kurzentschlossene

Late Entrys waren ursprünglich reine Profiveranstaltungen. Inzwischen erobern auch Amateure die Turniere. Veranstalter reagieren darauf.

In der Hallensaison schreiben viele Veranstalter keine mehrtägigen Turniere mit vielen verschiedenen Dressur- und Springprüfungen aus. Stattdessen tauchen in den Suchergebnissen bei Nennung Online vermehrt Late Entrys auf. Dieses Veranstaltungsformat wurde ursprünglich vor allem für Profis entwickelt. Es handelt sich dabei grundsätzlich um eintägige Events, meist als reines Spring- oder Dressurturnier ausgeschrieben, mit maximal sechs Prüfungen.

Der Name Late Entry verweist darauf, dass Teilnehmer noch sehr kurz vor Prüfungsbeginn eine Nennung vornehmen können: Der Nennschluss bei Nennung Online ist meist nur sieben bis acht Tage vor dem Turnier. An der Meldestelle können Reiter aber auch am Prüfungstag bis zum eigentlichen Meldeschluss noch nennen, ohne zusätzliche Nachnenngebühren zahlen zu müssen. Profis sollen so die Chance haben, ihre Pferde auch sehr kurzfristig auf einer PLS (Pferdeleistungsschau) vorzustellen.

Immer häufiger A-Prüfungen ausgeschrieben

In der Realität haben aber längst Amateure die Vorteile der Late Entrys für sich entdeckt, wohl auch, weil in der Wintersaison deutlich weniger Turniere ausgeschrieben werden. Viele Veranstalter haben darauf reagiert. Statt die Prüfungen – wie ursprünglich üblich – unter der Woche auszutragen, melden sie Late Entrys an Wochenenden an. Und statt vermehrt Prüfungen für junge Pferde oder in den höheren Klassen auszuschreiben, setzen sie auf A-Springen, gerne mit Stilwertung.

Nur eine Prüfung für junge Pferde, dafür zwei A-Springen: Diese Ausschreibung eines Late Entrys ist offenbar vornehmlich an Amateure gerichtet.
Höhere Nenngebühr schreckt nicht ab

Welche Folgen es hat, die Turniere für Hobbyreiter zu öffnen, hat Christopher Lindenberg vom Warsteiner Reitsportzentrum im vergangenen Jahr erlebt. Fünf Jahre lang gab es Late Entrys dort nur an Wochentagen. 2018 fand das erste Sonntagsturnier statt. Mit enormer Resonanz: „Wir haben äußerst positive Rückmeldungen bekommen und werden geradezu überrannt“, sagte der 28-Jährige der Westfalenpost. Die knapp 400 Startplätze waren über Nennung Online schnell vergeben, die höhere Startgebühr – 15 bis 16 Euro werden bei Late Entrys für ein A-Springen fällig – schreckte die Reiter nicht ab.

Die Folge: Wer, wie ursprünglich gedacht, erst kurz vor der Prüfung seine Nennung abgeben wollte, ging leer aus. Ein Problem, das viele Veranstalter kennen. Gerade die Prüfungen aus A-Niveau sind oft Wochen vor dem Turnier schon „voll“.

In Riesenbeck treffen Profis auf Amateure

Einen anderen Weg geht Karsten Lütteken, Geschäftsführer von Riesenbeck International. Er betont im Gespräch mit Pferde-Reich: „Es geht bei den Late Entrys darum, ein Angebot für den Profisport zu schaffen.“ In Riesenbeck finden die Veranstaltungen daher nur unter der Woche statt – weil das den Berufsreitern besser in den Terminkalender passt und die hauptamtlichen Angestellten des Veranstalters dann am Wochenende freimachen können.

Karten Lütteken, Geschäftsführer von Riesenbeck International. Foto: Riesenbeck International

Ein Zugeständnis macht Lütteken den Amateuren dennoch: In den Abendstunden stehen zwei Prüfungen auf A- bis M-Niveau auf dem Programm, ein Angebot für „Nachwuchs aus der Region mit Ambitionen“. Und, auch das macht Lütteken deutlich, wer sich einen Tag freinehmen und gegen die Profis antreten möchte, ist auch als Amateur immer willkommen.

Text: Lena Reichmann

Titelbild: Pixabay

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