Neue Hoffnung für herzkranke Pferde

Neue Hoffnung für herzkranke Pferde

Bisher konnten Besitzer meist nur auf Medikamente hoffen. Doch neue Therapieansätze stehen kurz vor dem Durchbruch.

Viele vor allem ältere Pferden haben Herzleiden. Diese bleiben oft lange unbemerkt und konnten lange Zeit, selbst wenn sie diagnostiziert wurden, oft nur schlecht behandelt werden. Doch die Tiermedizin hat Fortschritte gemacht und Kardiologen haben eine heiße Spur, wie sich die Probleme vielleicht sogar beheben lassen könnten.

Neben den bekannten Vitaminen E und Selen ist das Spurenelement Silizium in den Fokus der Kardiologen gerückt. Es besteht der Verdacht, dass degenerative Klappenerkrankungen bei Siliziummangel schneller fortschreiten. Ein Mangel, der sich über das Futter ausgleichen lässt. Zurzeit wird erforscht, ob sich die Symptome durch Gabe des Spurenelements, das ein Hauptbestandteil von Weidegras ist, verbessern.

Doch Ärzte warnen davor, Silizium ohne Absprache mit dem Tierarzt zu füttern. Denn ob wirklich ein Mangel vorliegt, kann nicht über eine einfache Blutuntersuchung festgestellt werden. Dafür ist eine aufwendigere Spektralanalyse nötig. Dabei werden zum Beispiel Mähnenhaare durch Verdampfen in ihre einzelnen Bestandteile (Atome) aufgeschlüsselt. So kann festgestellt werden, wie viel von welchem Spurenelement im Körper vorhanden ist. Mit dem Verfahren lassen sich auch Mängel aufdecken, die im Blutbild nicht auffallen.

Wächst die Medizin etwa auf der Weide?
Weidegras ist eine wichtige Nährstoffquelle für Pferde. Doch stecken darin auch heilende Kräfte? Foto: Lena Reichmann

Dass ausgerechnet Silizium, das nach Sauerstoff das Element mit dem größten Massenanteil auf der Erde ist, bei Pferden knapp wird, erscheint den Medizinern jedoch noch paradox. Bisher waren sie der Annahme, die Tiere nähmen das Spurenelement über das Weidegras in ausreichenden Mengen zu sich.

Die Futtermittelexperten der Martin-Luther-Universität in Halle gehen ebenfalls davon aus, dass auch die Konservierung von Gras zu Heu an der Siliziumkonzentration nichts ändert. Theoretisch sollten Pferde also auch im Winter bei ausreichender (!) Heufütterung ausreichend versorgt sein. Wie es trotzdem zu Mangelerscheinungen kommen kann, ist derzeit nicht klar.

An anderer Stelle gehen jedoch durch die Trocknung von Gras wertvolle Nährstoffe verloren: Neben Carotin und Carotinoiden ist laut den Wissenschaftlern das ebenfalls für die Herzgesundheit wichtige Vitamin E betroffen. Es kann also durchaus sinnvoll sein, im Winter mit entsprechenden Präparaten einem Mangel vorzubeugen.

In einer etwas ältere Arbeit befasst sich Prof. Josef Pallauf von der Universität in Gießen mit dem Mineralstoffgehalt „wirtschaftseigener Futtermittel“, also Gras und Heu. Der Forscher untersuchte dazu die Konzentration vom Calcium, Magnesium, Natrium und Phosphor. Er fand heraus, dass für die Zusammensetzung von Weidegras vor allem Faktoren wie Standort, Witterung und Klima entscheidend sind, die sich kaum von außen beeinflussen lassen. Landwirte können durch die Auswahl der Pflanzenarten und die Düngung eingreifen.

Pallaufs Untersuchungen geben außerdem Hinweise darauf, dass der Erntezeitpunkt entscheidend für den Mineralstoffgehalt von Heu ist. Während etwa der Calciumgehalt im Laufe der Saison ansteigt, ist Phosphor vor allem in jungen Trieben in höherer Konzentration zu finden. Ein Blick auf die Zusammensetzung von Weidegras und Heu kann also für Pferdebesitzer lohnend sein.

Neue Therapie gegen Vorhofflimmern

Eine weitere verbreitete Herzerkrankung von Pferden ist das sogenannte Vorhofflimmern. Dabei handelt es sich um eine Herzrhythmusstörung. Die beiden Herzkammern und Vorhöfe schlagen dann nicht mehr wie beim gesunden Pferd gleichmäßig, die Vorhöfe kommen sozusagen aus dem Takt. Dadurch kann das Herz das Blut nicht mehr kontinuierlich durch den Körper pumpen, es staut sich in den Vorhöfen und kann lebensgefährliche Gerinnsel bilden.

Leidet das Pferd an Vorhofflimmern, kann das mit Medikamenten behandelt werden. Eine neue, operative Methode verspricht sogar eine Heilung: Bei der elektrischen Kardioversion wird der Herzschlag mit Hilfe von leichten Stromstößen wieder in den richtigen Takt gebracht. Die Erfolgsrate des Eingriffs liegt laut Tobias Niebuhr aus der Pferdeklinik der tierärztlichen Hochschule in Hannover bei bis zu 80 Prozent. „Viele Pferde können nach einer Therapie des Vorhofflimmerns zu Ihrem ursprünglichen Trainingslevel zurückkehren und wieder erfolgreich im Sport eingesetzt werden.”

Vor dem eigentlichen Eingriff wird unter Ultraschall- sowie röntgenologischer Kontrolle ein Katheter ins Herz gelegt. Danach wird das Pferd in Vollnarkose weiterbehandelt. Um das Herz wieder in den richtigen Rhythmus zu bringen, setzen Tierärzte Stromstöße direkt im Herzen ein. Dabei ist ein exaktes Timing wichtig. Sonst kann es zu lebensgefährlichen Herzrhythmusstörungen kommen. Das ist auch der Grund dafür, dass Kliniken den Eingriff nur unter Vollnarkose durchführen.

Unter Vollnarkose wird das Herz mit Stromstößen wieder in den richtigen Rhythmus gebracht. Foto: Tierärztliche Hochschule Hannover
Nur eine deutsche Klinik bietet das Verfahren an

Die Pferdeklinik der tierärztlichen Hochschule in Hannover ist aktuell die einzige Klinik in Deutschland, die diese Operation anbietet. Das Verfahren entwickelten Tierärzte der belgischen Universität Ghent. Dort wurden die ersten Eingriffe durchgeführt, bevor die Kliniken in Zürich, Wien und Hannover die Methode kopierten.

Text: Lena Reichmann

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