Neue Leitlinien: Deutsches Körsystem in der Tierschutz-Kritik

Neue Leitlinien: Deutsches Körsystem in der Tierschutz-Kritik

Nach Eklat bei Westfalen-Vorauswahl und wegen strengerer Tierschutz-Regeln: Züchter diskutieren neues Körsystem.

Unschöne Szenen bei der Vorauswahl und die Diskussion über das richtige Alter für den Ausbildungsbeginn: Die Körsaison 2020 ist nicht nur wegen der Einschränkungen im Rahmen der Covid-19-Pandemie alles andere als gewöhnlich. In diesem Jahr sind auch tierschutzrechtliche Fragen deutlich mehr in den Fokus gerückt. Ein Grund dafür ist die Veröffentlichung der neuen Tierschutzleitlinien für den Pferdesport des Bundeslandwirtschaftsministeriums (BMEL).

Aber fangen wir von vorne an. Mitte Oktober schaffte es die Vorauswahl für die westfälische Hauptkörung in die Schlagzeilen. Nicht, weil dort außergewöhnliche Dressur- und Springtalente alle Blicke auf sich gezogen hatten, sondern verkrampfte Youngster mit unnatürlichen Bewegungsmustern. Bilder, die der kommissarische Zuchtleiter Thomas Münch nicht duldete. Er schritt ein und rief die Ausbildungsställe zur Krisensitzung in der Cafeteria zusammen.

Strenge Aufsicht bei der Hauptkörung

„Sowohl das verkrampfte, übervorsichtige Springen einiger Hengste, bei dem ein deutliches Treiben der Helfer in der Bahn nötig war, als auch Geschehnisse am selben Tag in der Vorbereitungshalle, haben uns veranlasst, die Aussteller eindringlich darauf hinzuweisen, dass wir uns eine pferdegerechte Vorbereitung der jungen Hengste wünschen“, erklärt Münch im Nachgang. Denn der Westfalenverband hat besonders strenge Regeln: Allen Hengsten wird zum Beispiel eine Dopingprobe entnommen. Das ist bei keinem anderen deutschen Zuchtverband üblich.

Die für Ende November in Münster-Handorf geplante Hauptkörung soll entsprechend unter verschärften Sicherheitsauflagen stattfinden: Hinter den Kulissen sollen Stewards kontrollieren, dass sowohl im Stall als auch bei der Vorbereitung der Pferde alles ordnungsgemäß und vor allem tierschutzgerecht abläuft. Außerdem will der Veranstalter Kameras installieren. Bei Verstößen drohen sofortige Konsequenzen: „Sollten in unseren Kontrollen Ausbildungsställe durch nicht regelkonformes Verhalten auffallen, werden diese von der Körung verwiesen“, macht Münch deutlich.

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Leitlinien: Ausbildung ab 2,5 Jahren

Ob das Event im kommenden Jahr überhaupt noch im gewohnten Format stattfinden wird, steht indes in den Sternen. „Über eine Veränderung im Ablauf werden wir uns Gedanken machen“, kündigte Münch schon nach den Vorfällen im Oktober an. Inzwischen ist bundesweit eine Diskussion darüber entbrannt, wie das traditionelle Körsystem mit den neuen Tierschutzleitlinien des BMEL vereinbar ist. Das im Oktober veröffentlichte Regelwerk sieht vor, dass Pferde erst ab dem Alter von 30 Monaten „zum vorgesehenen Nutzungszweck“ ausgebildet werden dürfen. Der Ausbildungsbeginn fiele damit in etwa auf den Zeitraum, in dem die Hengste heute schon bei der Körung vorgestellt werden.

FN-Generalsekretär Soenke Lauterbach ist zwar mit dem Ergebnis „generell zufrieden“. Immerhin zogen sich die Verhandlungen über die Ausgestaltung des Regelwerks über mehrere Jahre hin. Er verkündet aber: „Der Bereich Zucht der FN ist mit unseren Zuchtverbänden gerade dabei, vor dem Hintergrund der neuen Leitlinien das Kör-und Vorbereitungssystem hinsichtlich Vorbereitung, Vorauswahl, Dauer und Intensität zu überdenken.“

Zuchtbeirat diskutiert Alternativen

Im November hat der Zuchtbeirat der FN – coronabedingt nur virtuell – sich bereits mit der Zukunft der Hengstauswahl für die Zucht befasst. „Die Körung befindet sich in einem Spannungsfeld von züchterischer Selektion, Tierschutz und Vermarktung“, stellte Dr. Thomas Nissen fest, Zuchtleiter des Holsteiner Verbandes, dabei fest. Wie die anderen Beiratsmitglieder hatte er sich schon im Vorfeld Gedanken über Alternativen zum traditionellen Modell gemacht. Zusammen mit Ulrich Hahne, Zuchtleiter des Hannoveraner Verbands, stellte er vier mögliche Varianten vor:

  • Eine Herbstkörung von 2,5-Jährigen an der Hand,
  • eine Frühjahrskörung von Dreijährigen an der Hand,
  • eine Frühjahrskörung von Dreijährigen unter dem Sattel sowie
  • eine Herbstkörung von 3,5-Jährigen unter dem Sattel.

„Die Zuchtverbände haben jetzt die Aufgabe in ihren Gremien und mit ihren Züchtern darüber zu diskutieren, welchen Weg sie beschreiten wollen“, sagte Theodor Leuchten, Vorsitzender des FN-Bereichs Zucht. „Ziel ist es, diese Änderungen im kommenden Jahr in der Zuchtverbandsordnung als Rahmenbestimmung für alle Zuchtverbände zu verankern.“ Er betonte außerdem, wie wichtig es sei, die Leitlinien auch bei der Vorbereitung einzuhalten, „wenn wir nicht die Körung insgesamt aufs Spiel setzen wollen“, und warb für strenge Sanktionen bei Verstößen.

Dass die westfälische Körkommission sofort eingegriffen hat, wurde in diesem Zusammenhang positiv hervorgehoben.

Text: Lena Reichmann/fn-press, Titelbild: Janne Bugtrup

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