Pferde bekommen eine Stimme im Bundestag

Pferde bekommen eine Stimme im Bundestag

Im Herbst haben Bundestagsabgeordnete den Parlamentskreis Pferd gegründet. Was sie bisher erreicht haben und was sie noch vorhaben.

Pascal Kober ist im Bundesvorstand der FDP und Gründungsmitglied des Parlamentskreis Pferd. Im Interview mit Pferde-Reich spricht er über seine Beziehung zu Pferden und erklärt, warum die Kritik am Parlamentskreis Pferd seiner Meinung nach ungerechtfertigt ist. Außerdem verrät er, welche Pferdethemen die Politik aktuell beschäftigen und wie er zu Pferdesteuer und Reitwegeausbau steht.

Was war Ihre persönliche Motivation, den Parlamentskreis Pferd zu gründen?

Kober: Ich glaube, dass die Verbindung mit dem Pferd für die Menschen etwas Positives ist. Das Pferd übt seit jeher eine ungebrochene Faszination auf Menschen aus, das Pferd tut dem Menschen gut. Man kann sein Leben und seine Freizeit sicherlich auch weniger sinnvoll verbringen, als mit dem Pferd. Insofern haben wir alle ein Interesse daran, dass die Pferdegeschichte weitergeschrieben wird.

Ein Parlamentskreis ist kein offizielles Gremium des Bundestages. Was genau ist seine Aufgabe?

Parlamentskreise gehen auf die Initiative von Abgeordneten zurück. Das Ziel ist, sich fraktions- und ausschussübergreifend eines Themas anzunehmen. Da gibt es harte Themen wie Elektromobilität aber auch Themen, die weniger zur klassischen Politik gehören, wie etwa automobiles Kulturgut, also Oldtimer.

Generell ist zu sagen, dass der Bundestag viele Zusammentreffen und Kreise kennt, in denen Abgeordnete sich zu den Anliegen der Bürger treffen. Es ist also gar nichts Außergewöhnliches, dass sich Abgeordnete auch zum Thema Pferd treffen.

Wo verorten Sie den Parlamentskreis Pferd: Harte Politik oder Hobby?

Das Pferd ist ein Wirtschaftsfaktor, das Pferd ist Arbeitgeber und das Pferd ist Partner im Sport. Insofern würde ich den Parlamentskreis Pferd nicht dort verorten, wo es um Neigung geht, sondern da geht es um klassische politische Fragen.

Sie wurden trotzdem viel belächelt. Wie gehen Sie damit um?

Belächeln kann man es nur dann, wenn man hinreichend ahnungslos über die Bedeutung des Pferdes ist. Bekannt ist, dass vier Millionen Menschen sich selbst als Reiter bezeichnen, es 1,3 Millionen Pferde gibt, dass drei bis vier Pferde einen Arbeitsplatz verantworten – da merken Sie schon, dass es relevant ist. Da gibt es nichts zu belächeln, sondern da geht es um ein gesellschaftlich relevantes Anliegen, um Arbeitsplätze, um Einkommen.

Wie stehen Sie zu der Kritik, es gebe zurzeit wichtigere Themen als das Pferd?

Als Abgeordneter beschäftige ich mich im Schwerpunkt mit Sozial-, Arbeitsmarkt- und Rentenpolitik. Da geht es um die Anliegen von Millionen Bürger und Milliardensummen. Aber es gibt auch einzelne Anliegen aus dem Wahlkreis, die mich genauso beschäftigen, ein Bürger etwa, der einen Bescheid einer Behörde hinterfragt. Es liegt in meiner Verantwortung, die Prioritäten zu setzen und den Anliegen der Bürger nachzukommen. Mein Engagement für das Thema Pferd ist eines von vielen wichtigen Themen.

Wie viel Zeit widmen sie dem Pferd denn konkret? Also wie oft trifft sich der Kreis?

Das Ziel war, sich fünf bis sechs Mal im Jahr zu treffen. Wahrscheinlich werden wir aber eher auf drei bis vier Mal kommen. Eine Sitzung dauert eine Stunde. Daran beteiligt sind etwa 26 Abgeordnete.

Was waren bisher die Themen der Treffen?

In der letzten Sitzung haben wir uns mit dem Thema pferdegestützte Therapie für traumatisierte Soldaten befasst. Das therapeutische Reiten wird uns auch sicherlich noch weiter beschäftigen. Die Frage ist zum Beispiel, was zur Regelleistung werden könnte – durch die Bundeswehr oder auch Krankenkasse.

Das ist natürlich ein sehr spezielles Thema. Aber gerade im Bereich Freizeit- und Breitensport gibt es andere große Themen. Pferdesteuer, um ein Beispiel zu nennen. Befassen Sie sich auch damit?

Ich will keine Pferdesteuer. Reitwege sind zum Beispiel ein spannendes Thema, gerade die Vereinheitlichung der Regelungen zwischen den Bundesländern. Wir haben das noch nicht in Angriff genommen, das wird aber noch kommen.

Ich denke gerade an ein konkreteres politisches Problem. Da geht es darum, dass die Bundesregierung kein Abkommen mit den Nachbarländern getroffen hat, dass den Pferdetransport regelt. Kann man solche Dinge auch an Sie direkt herantragen?

Sie haben gerade schon etwas angestoßen, indem Sie das an mich herangetragen haben. Es haben sich auch schon Menschen schriftlich an uns gewandt und uns auf Ideen gebracht. Ich erinnere mich an eine Frage zu Gerichtsprozessen über Pferde. Da ist das Problem, dass die so lange dauern, dass aus einem Fünfjährigen ein Sechseinhalb- oder Siebenjähriger geworden ist. Das ist die Frage, ob das bei einem Pferd, das in der Ausbildung sein sollte, nicht zu ändern wäre.

Hier geht es zum Artikel "EU bremst Reiter an der Grenze aus"

Also durchaus reiternahe Themen. Was passiert mit den Impulsen? Tragen Sie die dann in den Bundestag, ins Plenum?

Wir greifen Themen auf und bringen sie in den parlamentarischen Prozess ein. Wir wollen, dass die Themen ankommen im Deutschen Bundestag. Dafür sind wir Ansprechpartner. Wenn es gesetzgeberischen Handlungsbedarf geben sollte, käme das dann in die entsprechenden Ausschüsse, ins Plenum, oder zum zuständigen Ministerium, ja.

Wie erreichen die Menschen Sie am besten? Sollen Sie Ihnen einfach persönlich eine Mail schreiben?

Aufgrund der medialen Berichterstattung hatten wir schon einige Zuschriften mit konkreten Fragestellungen. Natürlich gibt es aber auch vorstrukturierte Ansprachen durch Verbände wie die Deutsche Reiterliche Vereinigung oder den Verband der Freizeitreiter, mit dem wir uns schon getroffen haben. Und wir sind alle selbst mit der Reiterei verbunden und nehmen dort das Ein oder Andere auch im persönlichen Umfeld auf.

Wie wichtig sind dafür prominentere Mitglieder wie Andrea Nahles oder Ursula von der Leyen?

Wir haben auch einige Mitglieder, die nicht so bekannt sind, aber regional in der Reiterwelt sehr präsent sind, Verbindungen haben und angesprochen werden. Aber unsere beiden sehr prominenten Mitglieder helfen schon.

Im Parlamentskreis sind also auch Menschen, die privat viel mit Pferden zu tun haben?

Ja. Wir haben Mitglieder, die selber reiten, oder bei denen Familienangehörige reiten, oder Mitglieder, die im Wahlkreis ein großes Gestüt haben und bei denen Pferdesport eine große Rolle spielt. Das ist bunt gemischt, aber irgendwo gibt es immer eine Verbindung zum Pferd.

Dann haben Sie bestimmt einen guten Einblick in die Szene. Haben Sie das Gefühl, dass Deutschland dabei ist, den Anschluss zu verlieren? Beim Blick ins Ausland könnte der Eindruck entstehen, dass sich dort gerade mehr tut.
Mit diesem Schreiben lud Pascal Kober im November 2018 zum Gründungstreffen des Parlamentskreises Pferd. Foto: Twitter

Ich hoffe nicht. Wenn man sich die Ergebnislisten bei internationalen Turnieren anschaut, dann sind wir immer noch ziemlich gut dabei und können uns als eine Pferdesportnation bezeichnen. Die Erfolge sind proportional viel größer als in anderen Sportarten. Ich sehe da eher Aufklärungsbedarf über die Bedeutung des Pferds für die Sportnation Deutschland.

Aber ich möchte lieber unten anfangen. Denn der kleine Reitverein hat es schwerer. Ehrenamtliche zu finden wird schwieriger, genauso wie Kinder für den Sport zu begeistern und – gerade Jungen – an den Sport zu binden. Da gibt es viel zu tun, was wir aber nicht auf politischer Ebene lösen können.

Wir versuchen sicherlich, einen Beitrag zu leisten. Etwa auf Landesebenen mit den Landgestüten, die große Sympathieträger sind. Dort wird Pferdegeschichte fortgeschrieben und das ist eine tolle Sache.

Trotzdem wurde erst kürzlich heftig debattiert, ob das hessische Landgestüt weiter mit Landesmitteln unterstützt werden soll. Dabei ist das doch ganz klar eine öffentliche Aufgabe, weil damit Kultur verbunden ist, oder?

Wenn man genau hinschaut, sieht man, dass die Landgestüte mehr sind, als sie ursprünglich waren, nämlich Hengsthaltung. Wir haben hier in Baden-Württemberg das Haupt- und Landgestüt Marbach, das neben der Hengsthaltung eine ganze Reihe an Aufgaben im öffentlichen Interesse übernimmt: Als Ausbildungsbetrieb für Pferdeberufe, als Kooperationspartner der Universitäten bei der Forschung, als Tourismusfaktor der Region; es ist engagiert in der Erhaltungszucht von aussterbenden Rassen, der Pflege der Reit- und Pferdekultur und vieles mehr. Da sind öffentliche Gelder gerechtfertigt, denn mit diesen Aufgaben kann man kein Geld verdienen.

Text: Lena Reichmann

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.