Pferde werden „wie Könige behandelt“: Jockey verteidigt den Rennsport

Pferde werden „wie Könige behandelt“: Jockey verteidigt den Rennsport

Vinzenz Schiergen ist erfolgreicher Nachwuchsjockey. Den Tierquälerei-Vorwurf an den Galoppsport findet er „falsch“.

Der Galopprennsport steht wieder einmal stark in der Kritik, nachdem es beim Badenia-Renntag in Mannheim zu einem tödlichen Unfall kam. Tierschützer werfen Rennverein und Veranstalter German Racing Tierquälerei vor (Pferde-Reich berichtete). Der Kölner Jockey Vinzenz Schiergen verteidigt unterdessen seinen Sport. Der in Galopperkreisen als hochtalentierte Nachwuchshoffnung gehandelte Sportler ist der Sohn des erfolgreichen Trainer Peter Schiergen aus dem Stall Asterblüte in Köln. Mit seinen 21 Jahren ist er bereits fünffacher Champion der Amateurrennreiter. Wegen einer Verletzung darf er momentan jedoch nicht in den Sattel steigen und hat die Diskussion um den Rennsport als Zuschauer verfolgt. Im Interview mit Pferde-Reich erzählt er, wie wichtig das Wohl der Tiere für ihn ist.

Was macht die Faszination des Rennsports für Sie aus?

Schiergen: Es ist ein unglaublich toller Sport. Die Verbindung zwischen Pferd und Mensch ist etwas Einzigartiges. Viele sagen, es ist ein Einzelsport, aber für mich ist es ein Teamsport. Denn nur, wenn Reiter und Pferd gut harmonieren, kann man gute Ergebnisse erzielen.

2. Wie eng ist die Verbindung zwischen Ihnen und den Pferden, die Sie bei Rennen reiten? Wie gut kennen Sie die Tiere?

Das ist ganz unterschiedlich. Manche Pferde kennt man schon sehr lange und gut, dann weiß man wie die Pferde charakterlich sind und was sie mögen und nicht mögen. Diese Pferde kennt man dann entweder aus dem Training oder aus vorherigen Rennen. Dann gibt es wiederum auch Pferde, die man bei einem Rennen das aller erste Mal reitet. Man unterhält sich vorher mit dem Trainer oder den Pflegern des Pferdes, um sich bestmöglich auf das Pferd vorbereiten zu können.

Jockey Vinzenz Schiergen. Foto: Marc Rühl (mit Genehmigung von German Racing)

Des Weiteren schaut man sich Rennfilme von vorherigen Rennen des Pferdes an, um zu analysieren, wo das Pferd im Rennen am liebsten geht. Der beste Reiter ist meiner Meinung nach immer der Reiter, der sich am schnellsten und besten mit den Pferden anfreunden kann, denn nur wenn die Harmonie stimmt, kann die beste Leistung erzielt werden.

Gibt es Pferde, zu denen Sie eine besonders enge Beziehung haben?
Vinzenz Schiergen auf More Than Honey nach seinem Sieg 2016 in Düsseldorf. Foto: Marc Rühl (mit Genehmigung von German Racing)

Natürlich gibt es da einige Pferde, zu denen ich eine besondere Beziehung habe. Es sind entweder Pferde, die ich aus dem Training kenne, oder auch Pferde, die ich „nur“ aus dem Rennen kenne. Da wäre Mombasa zu nennen: Sie habe ich fast täglich im Training geritten und mit ihr meinen ersten Sieg erzielt. Da herrscht natürlich eine ganz besondere Bindung. Mittlerweile hat sie ihre aktive Karriere beendet und genießt ihre wohl verdiente Rente bei ihrer ehemaligen Pflegerin Conny im Engadin (Hochtal im schweizer Kanton Graubünden, Anmerkung der Redaktion).

Ein weiteres Pferd, das ich aus dem Training kenne und mit dem ich super gut harmoniert habe, ist More than Honey. Mit ihr habe ich ganze sieben Rennen gewonnen. Auch sie genießt nun ihr Leben nach dem Rennsport auf der Weide. Ein drittes Pferd, das ich gern nennen möchte, ist Sterngold. Sie kenne ich nicht aus dem Training, sondern habe sie im Rennen das erste Mal geritten. Wir beiden haben uns vom ersten gemeinsamen Rennen hin super verstanden und konnten bei 34 Starts zusammen viele Siege und etliche Platzierungen erzielen. Wie die beiden anderen, hat auch sie ihre Karriere beendet und verbringt das Rentnerleben auf der Weide.

Wie bewusst ist Ihnen als Jockey das Risiko, mit dem Pferd zu verunglücken?

Natürlich ist man sich vor jedem Rennen bewusst, dass etwas passieren kann. Allerdings gilt für jeden Jockey die Devise, sich selbst und sein Pferd gesund und heile nach Hause zu bringen. Letzteres hat für uns alle oberste Priorität, noch vor dem Wunsch zu siegen.

Haben Sie schon einmal einen schweren Unfall miterleben müssen, bei dem ein Pferd ums Leben kam?

Ja, bei den über 1000 Rennen, die ich in meiner Karriere geritten bin, blieb mir das leider nicht erspart und auch ich habe schon die Erfahrung machen müssen, dass mein Teamkollege verunglückte.

Wie sehr nimmt einen das mit, zu erleben, wie ein Tier verunglückt?

Diese Erfahrung nimmt einen Reiter und das ganze Umfeld natürlich sehr mit. Die Pferde sind unser Leben und wir geben täglich alles dafür, dass es ihnen gut geht und sie gesund sind.

Was sagen Sie zu den Vorwürfen von Tierschützern, Rennreiten sei Tierquälerei?

Das ist meiner Meinung nach, eine Behauptung, die absolut falsch ist. Diese Behauptung ist ohne jegliche Beweise aufgestellt! Rennpferde haben das schönste Pferdeleben, das man sich wünschen kann. Sie werden wie Könige behandelt. Denn nur, wenn sich das Pferd wirklich glücklich und zufrieden fühlt, wird es seine beste Leistung zeigen können. Des Weiteren sind Pferderennen die natürlichste Pferdesportart, die es gibt, denn Pferde sind Herdentiere, die es lieben, gemeinsam zu galoppieren. Und genau das passiert beim Pferderennen.

Hier geht es zum Artikel „Tödlicher Unfall: Rennverein wehrt sich gegen Tierquälerei-Vorwurf“

Zu dem konkreten Unfall in Mannheim möchte Rennveranstalter German Racing sich nicht äußern. Vinzenz Schiergen beantwortete deshalb auch keine Fragen dazu. Zurzeit wird nämlich noch gegen den Veranstalter ermittelt.

Text: Lena Reichmann

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