Sedieren ist tabu: Neue Regeln für Pferde im Karneval

Sedieren ist tabu: Neue Regeln für Pferde im Karneval

Gewichtsbegrenzung und Dopingverbot: NRW-Umweltministerium stellt Leitlinien für den Einsatz von Pferden bei Karnevalszügen auf.

Die tollen Tage stehen vor der Tür und während viele Jecke die Rosenmontagszüge in den Karnevalshochburgen kaum erwarten können, wird von Tierschützern Kritik laut. Sie sind gegen den Einsatz von Pferden beim Straßenkarneval. Nicht zuletzt, weil es dort in der Vergangenheit immer wieder zu unschönen Szenen kam. Wie 2017, als ein Pferd beim „Zuch“ in Köln zusammenbrach oder 2018, als, wieder in Köln, Pferde mit einer Kutsche durchgingen und fünf Menschen verletzt wurden. NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser (CDU) hatte daraufhin eine Arbeitsgruppe gegründet. Auf deren Empfehlungen basieren die Leitlinien für den „Einsatz von Pferden in Karnevalsumzügen“, die das Ministerium nun vorgelegt hat. Darin wird unter anderem eine Gewichtsbegrenzung für Reiter festgelegt.

Das Regelwerk verbietet Reitern, Fahrern sowie Begleitpersonen (pro Pferd ist mindestens ein Helfer vorgeschrieben), während des Einsatzes Alkohol zu trinken und zu rauchen. Auch das Handy darf nur in Notfällen benutzt werden. Reiter haben außerdem mehrjährige Erfahrung und regelmäßigen Unterricht bei einem qualifizierten Trainer nachzuweisen. Sie müssen zudem mindestens den „Deutschen Reitpass“ bestanden haben. Für Fahrer ist der Kutschenführerschein B (Gewerbe) vorgeschrieben, die Kutsche muss vom TÜV abgenommen sein. Um die Pferde nicht übermäßig zu belasten, dürfen diese nicht mehr als 15 Prozent ihres Körpergewichts tragen, die Zuglast von Kutschen darf nicht mehr als das doppelte Gewicht des/der Zugpferde betragen.

Keine Pferde vor oder hinter Blaskapellen

Auch für die teilnehmenden Pferde hat das Ministerium Regeln festgelegt. Die Tiere sollten zwischen sechs und 20 Jahre alt sein und ein Tierarzt muss überprüfen, ob sie in einer körperlich guten Verfassung sind. Es ist verboten, Pferde für ihren Einsatz zu sedieren oder anderweitig zu dopen. Außerdem muss ihre psychische Eignung nachgewiesen werden. Das kann durch die Teilnahme an einer Gelassenheitsprüfung innerhalb von drei Monaten vor dem Zug passieren.

Auch für Kutschen sollen beim Umzügen künftig strengere Regeln gelten. Foto: Peta

Und auch an die Veranstalter richtet sich die Leitlinie. Sie müssen unter anderem eine detaillierte Streckenplanung anfertigen. Darin sollten Ausweichrouten für Pferde eingezeichnet sein, um Engstellen zu vermeiden. An mehreren Stellen muss die Möglichkeit bestehen, Tiere aus dem Zug zu nehmen.Vor oder hinter Blaskapellen sind Pferde künftig tabu. Außerdem soll ein Tierarzt die Tiere an jeder Position innerhalb von zehn Minuten erreichen können.

Regeln werden zunächst nur getestet

Das Ministerium weist in der Vorlage an den Landtagspräsidenten zwar auf die lange Tradition von Brauchtumsveranstaltungen hin. Doch „Form und Umfang solcher Veranstaltungen unterlagen in den letzten Jahrzehnten einem ausgeprägten Wandlungsprozess. Gleichzeitig hat sich das Verhältnis des Menschen zum Tier verändert“, heißt es. „Ob – und wenn ja, wie – der Einsatz von Pferden in Brauchtumsveranstaltungen tierschutzgerecht und sicher gestaltet werden kann, wird von Tierschützern, Ordnungsbehörden und Veranstaltern intensiv diskutiert.“

Bei der Leitlinie handelt es sich allerdings zunächst nur um einen Entwurf. In der kommenden Session, so die Ministerin, sollen die Regeln getestet und durch die zuständigen Behörden kontrolliert werden. Erst im Anschluss an die fünfte Jahreszeit werde zusammen mit den Vereinen eine Auswertung erfolgen.

Tierschützer fordern, Pferde bei Umzügen zu verbieten

Der Tierschutzorganisation Peta gehen die Pläne der Landesregierung indes nicht weit genug. Sie fordert, künftig keine Pferde mehr bei Umzügen zuzulassen und kritisiert auch „die tierschutzwidrigen Trainingsmethoden, mit denen die Tiere im Vorfeld desensibilisiert werden”.

Text: Lena Reichmann

Titelbild: Peta

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