Trotz anhaltender Trockenheit: Heupreise so niedrig wie lange nicht

Trotz anhaltender Trockenheit: Heupreise so niedrig wie lange nicht

Der erste Schnitt ist eingebracht und die Preise fast im freien Fall: Warum Heu aktuell so günstig ist - und trotzdem Grund zur Sorge besteht.

Anhaltende Trockenheit und Hitze haben schon im vergangenen Jahr die Geduld der Landwirte strapaziert. Die Futterreserven, gerade des so wichtigen Grundfuttermittels Heu, wurden vielerorts knapp. Auch in diesem Jahr regnet es laut dem Deutschen Wetterdienst (DWD) zu wenig. Im Juli kamen nur 55 Liter Regen auf einen Quadratmeter, 23 weniger als im vierjährigen Jahresmittel. Der Heupreis ist trotzdem so niedrig wie seit einem Jahr nicht mehr.

Wie das Branchenmagazin Agrarheute berichtet, ist der Preis für Heu aktuell im freien Fall. Das Bundesmittel der von den Landwirtschaftskammern erfassten und gemeldeten Heupreise lag Mitte Juli bei rund 128 Euro je Tonne für Großballen. Im Vergleich zum Vormonat ist das ein Preisrutsch von 42 Euro je Tonne.

Gleichzeitig kostete der Großballen Heu in Deutschland 18 Prozent weniger als zur bisherigen Preisspitze im April dieses Jahres. Zwischen den Bundesländern sind die Preisunterschiede weiterhin groß. Auch wenn es im Juli fast überall deutlich nach unten ging.Am stärksten gefallen sind die Heupreise in Hessen, in Niedersachsen, Nordrhein und Westfalen. Dort gingen die Kurse um 60 bis 80 Euro je Tonne zurück. Allerdings war das vorherige Niveau in diesen Regionen auch am höchsten.

Erster Schnitt fiel gut aus

Doch woran liegt es, dass die Preise trotz Dürre sinken? Tatsächlich fiel die Heuernte im ersten Schnitt in diesem Jahr recht gut aus, wie viele Landwirte berichten. Denn im Frühjahr fiel genug Regen, um die Wiesen mit ausreichend Flüssigkeit zu versorgen. Auch die Qualität des Heus soll gut sein, da immer wieder lange Trockenperioden gute Erntebedingungen schafften. Aktuell ist also genug Heu am Markt vorhanden.

Diese Entspannung dürfte aber wohl nur von kurzer Dauer sein, wie ein Blick auf die Wiesen zeigt. Durch die Hitze und Trockenheit der vergangenen Wochen ist dort seit dem ersten Schnitt oft kaum etwas nachgewachsen. Fällt der zweite Schnitt schlecht aus oder entfällt sogar ganz, könnte es für viele Bauern eng werden, warnen die Landesämter für Landwirtschaft.

Letztes Jahr war es schon so kritisch, dass die Landwirte keine Futtervorräte anlegen konnten, weil kaum was da war”, sagte Tina Baumgärtel vom Thüringer Landesamt für Landwirtschaft. “Deswegen ist es dieses Jahr noch schwieriger – mit dem wenigen Futter und ohne Reserven spitzt sich der Futtermangel zu.“

Auch Stroh ist wieder günstiger

Auch der Strohpreis ist im Juli stark gefallen und lag im Bundesmittel bei 91 Euro pro Tonne für den Großballen. Damit kostete die Tonne erstmals seit elf Monaten weniger als 100 Euro, obwohl der Preis leicht über dem des Julis im vergangenen Jahr liegt. Am günstigsten war Stroh in Sachsen und Sachsen-Anhalt (62€/t), am teuersten weiterhin im Norden und Nordwesten Deutschlands (bis zu 122 €/t in Niedersachsen). Der Preissturz ist ebenfalls auf die einsetzende Ernte zurückzuführen. Landwirte hoffen, dass die wegen des Regens im Frühjahr etwas besser ausfallen dürfte als im vergangenen Jahr.

Text: Lena Reichmann

Weil die Strohernte begonnen hat, sinken auch die Preise für Stroh. Foto: Pixabay

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