Turnier trotz Corona I: So läuft’s in Deutschland

Turnier trotz Corona I: So läuft's in Deutschland

Nach dem Lockdown nimmt der Reitsport ganz langsam wieder Fahrt auf. Worauf Reiter sich beim Start einstellen müssen.

Das Coronavirus hat unseren Alltag zwar weiterhin fest im Griff, der Reitsport erwacht aber dennoch langsam wieder zum Leben, sowohl auf der nationalen als auch auf der internationalen Bühne. Mit dem Turniergeschehen, wie wir es gewohnt sind, hat die aktuelle Veranstaltungslandschaft aber wenig gemein. Nicht nur, dass alle größeren Events ausfallen und stetig weitere Absagen dazukommen. Die Bedingungen, unter denen Wettkämpfe stattfinden dürfen, sind ebenfalls gewöhnungsbedürftig. Ein Blick hinter die Kulissen mit persönlichen Eindrücken.

Startplätze sind heiß begehrt

Montagabend, 17.59 Uhr. Auf dem Laptop ist Nennung-Online geöffnet, der Finger auf der Maus ist leicht verkrampft, der Blick starr auf die Zeitanzeige gerichtet. 18 Uhr. Webseite aktualisieren. Sich blitzschnell durch den Nennprozess klicken. Den Haken bei der Corona-Zusatzgebühr nicht vergessen. Abschicken.

In diesen Tagen einen der begrenzten Startplätze auf einem der wenigen ländlichen Turniere zu ergattern, die trotz strenger Auflagen stattfinden, ist gar nicht so leicht. Gerade die Prüfungen im Amateurbereich, A-Dressuren oder L-Springen, sind innerhalb von Minuten „voll“. „Die Reiter wollen raus“, bringt es Jörg Niepel aus dem Vorstand des LZRFV Marl im Gespräch mit der Lokalzeitung auf den Punkt.

Bei den meisten Turnieren müssen Reiter bei der Nennung eine Corona-Gebühr zahlen. Screenshot: Nennung-Online

Da ist es fast schon egal, dass die wenigen Minuten im Rampenlicht deutlich teurer geworden sind. Im Schnitt 10 Euro beträgt die Gebühr, die Reiter pro Turniertag zusätzlich aufbringen müssen, Gewinngelder werden meist nur zum Teil ausgeschüttet. Mit der „Corona-Gebühr“ wollen Veranstalter sich absichern. Denn Zuschauer sind bei den meisten Turnieren tabu. Das Hygienekonzept umzusetzen würde die Möglichkeiten der meisten Vereine sprengen.

Markus Scharmann, Leiter des Bundesstützpunktes in Warendorf sowie Vorsitzender und Turnierleites des RV Vornholz, rechnet nach drei Turniertagen Anfang Juni vor: „Wir haben uns an unserem Late-Entry-Turnier orientiert, also doppelte Nenngebühren und halbe Preisgelder, und dieser Plan ist aufgegangen.“ Die Vorbereitungen seien, gerade wegen der Absprachen mit den Behörden aufwendiger gewesen. Dennoch macht er anderen Vereinen Mut: „Jetzt im Nachhinein betrachtet war es sogar weniger Aufwand als bei einem normalen Turnier, weil zum Beispiel die Kuchentheke und die Pommesbude nicht besetzt werden mussten.“

Schabracke, Kappe, Stiefel – und Maske

Etwas mehr Aufwand gibt es hingegen auf Reiterseite, die To-Do-Liste ist um einige Punkte länger geworden: Vor jedem Turnier gilt es, einen Anwesenheitsnachweis für sich selbst und seine Begleiter (erlaubt ist meist eine Person pro zwei Pferde) auszudrucken und auszufüllen. Ohne Angabe von Namen und Kontaktdaten darf niemand den Turnierplatz betreten. Neben Schabracke, Kappe und Stiefel steht außerdem auch die Maske auf der Packliste. Und da die Verpflegung vor Ort zum Teil stark eingeschränkt ist, sollte auch an Proviant gedacht werden.

Am Parkplatz angekommen wartet bereits ein Helfer an der Einfahrt. Freundliche Begrüßung am Autofenster, Tausch der Anwesenheitszettel gegen Tagesbändchen, das obligatorische „viel Erfolg“. So ein netter Empfang ist definitiv etwas, das bleiben könnte! Genau so wie die Begrenzung der Reiter auf dem Abreiteplatz, die eine viel konzentriertere Vorbereitung ermöglicht.

Merklich weniger los ist auch rund um die Plätze. Klar, Zuschauer müssen draußen bleiben. Schilder weisen auf Abstandsregeln hin, im Gastrobereich und auf den Toiletten gilt Maskenpflicht und bei der Parcoursbesichtigung dürfen meist nur Teilnehmer auf den Platz. Platzierungen entfallen oft ganz. Es ist zu spüren, dass etwas anders ist. Und das sprechen viele auch an. Smalltalkthema Nummer eins ist nicht mehr das Pferd. Trotzdem halten sich die meisten diszipliniert an die Auflagen.

Es hat alles gut geklappt. Die Reiter haben sich an alle Regeln gehalten. Das Ordnungsamt ist jeden Tag einmal vorbeigefahren, hat freundlich gewunken und wir haben zurückgewunken“, resümiert Markus Scharmann.

Party statt Social Distancing

Anders sah es offenbar bei einigen der ersten internationalen Post-Lockdown-Turniere aus. Wie der kanadische Springreiter und Olympiasieger aus 2008 Eric Lamaze in einem empörten Facebook-Post schreibt, seien bei den ersten Shows in Belgien wortwörtlich die Masken gefallen. „Ich war so enttäuscht, auf dem gesamten Gelände nur fünf Personen mit Maske zu sehen“, sagt er über ein Turnier in Lier. Eine Woche vorher in Opglabbeek habe niemand einen Schutz getragen. Dort habe es sogar eine Party gegeben, die von der Polizei aufgelöst worden sei. Den Post hat er inzwischen gelöscht.

In der Zwischenzeit hat der Veranstalter reagiert. Für die kommenden Turniere gelten strenge Regeln, auch, weil Belgien die allgemeinen Maßnahmen verschärft hat, nachdem die Zahl der Infizierten im Land wieder gestiegen ist. Zuschauer sind in Opglabbeek nun verboten, Masken müssen „zu jeder Zeit“ getragen werden und ein Abstand von 1,5 Metern ist einzuhalten.

Lesen Sie mehr über internationale Turniere in der nächsten Folge

Text: Lena Reichmann/mit fn-press, Titelbild: Lena Reichmann

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