Turnier trotz Corona II: So läuft’s im Ausland

Turnier trotz Corona II: So läuft's im Ausland

Die Covid-19-Pandemie bremst den Reitsport weiter aus. Auf internationalem Niveau gibt es wenige Turniere und strenge Regeln.

Hunderte Reiter, Züchter und Pferdebesitzer verschiedenster Nationalitäten versammelt an einem Ort: Internationale Turniere sind nicht nur Sportveranstaltungen, sondern auch Szenetreffpunkte. Das wurde in der Covid-19-Pandemie zum Problem: Genauso rasant, wie sich das Virus im Frühjahr rund um den Globus ausbreitete, schrumpfte das Veranstaltungsangebot. Dressur-, Spring- und Vielseitigkeitswettkämpfe mussten vielerorts ausfallen, Europameisterschaften und sogar Olympia konnten 2020 nicht stattfinden. Der Sport stand unter Schock. 102.000 beim Weltreiterverband (FEI) registrierte Reiter mussten ihre Pferde im Stall lassen. Die vorsichtige Erholung dauert weiter an.

Da die große Mehrheit der Teilnehmer an FEI-Turnieren den Reitsport nicht als Hobby betreibt, sondern beruflich in den Sattel steigt, blieb die Absage zahlreicher Events nicht ohne Folgen. Und zwar für die gesamte Branche. Besonders der Pferdehandel war betroffen. Denn Youngster, die nicht im Parcours oder Viereck auf sich aufmerksam machen konnten, verkaufen sich schlechter. Käufer bevorzugen Kandidaten, die bewiesen haben, dass sie eine Schleife aus der Prüfung mitbringen können.

Nicht zuletzt deshalb erarbeitete die FEI unter Hochdruck eine „return to play“-Richtlinie, mit der die Durchführung von Reit- und Voltigierturnieren wieder möglich wurde. Neben diesen generellen Regeln, zum Beispiel für die Durchführung von Siegerehrungen, müssen Veranstalter auch die aktuell gültigen Vorgaben der lokalen Behörden beachten. Ein Kraftakt für alle Beteiligten.

Opglabbeek, Belgien. Juli 2020. Internationales Springturnier der Kategorie 2*. Nach Monaten, in denen Sportveranstaltungen komplett verboten waren, geht der Betrieb auf den Sportanlagen im Land langsam wieder los – unter strengen Auflagen: Keine Zuschauer, generelle Maskenpflicht (außer auf dem Pferd und im an festgelegten Plätzen), Abstandsregeln. Die Stimmung vor Ort ist dennoch entspannt. Alle scheinen froh zu sein, endlich wieder um Platzierungen und Weltranglistenpunkte antreten zu können.

Darauf lassen auch die riesigen Starterfelder schließen: In den Qualifikationen zum Grand Prix, bei dem heißbegehrte Punkte für das Longines Ranking, der Weltrangliste der Springreiter, locken, gehen knapp 200 Paare an den Start. Kein Einzelfall: Die wenigen Turniere kurz nach den Lockdowns in Europa sind gut besucht, nicht von Zuschauern – die sind ja verboten –, dafür von Aktiven.

 

Schnell werden erste Stimmen laut, dass sich das nicht lohne. Denn nur wer weit vorne landet, ist noch „im Geld“, die Kosten für die Teilnahme sind für die meisten deutlich höher als die errittenen Gewinne. Lediglich die Veranstalter „kassieren ab“, lautet ein häufig gehörter Vorwurf. Eine Lösung für das Problem ist nicht in Sicht, zu hungrig sind alle auf den Turniertrubel: Obwohl die erste Riege der Springreiter sich am selben Wochenende in St. Tropez zum 4*-Turnier trifft, sind Events niedrigerer Kategorien quasi bis auf die letzte Box im Stallzelt ausgebucht.

Lier. Ebenfalls Belgien. Ende September 2020. Internationales 3*-Springturnier. Die Hitze des Sommers ist stürmischem und vor allem regnerischen Herbstwetter gewichen. Die Reiter haben sich an die neuen Corona-Regeln gewöhnt, der große „Run“ auf die Startplätze ist vorbei – sogar noch wenige Tage vor Turnierbeginn sind Plätze im Stallzelt verfügbar. Statt mit vollbesetzen Starterfeldern kämpfen Reiter und vor allem Pferdepfleger gegen mit Regenwasser vollgelaufene Boxen. Das Wetter ist endlich wieder Thema Nummer 1.

Die Lage wird wieder schwieriger

Doch das wird nicht lange so bleiben. Nur wenige Wochen später steigen die Infektionszahlen in dem kleinen Land wieder rasant an. Veranstalter und Reiter fürchten ein erneutes abruptes Saisonende. Das wird nicht passieren. Aber die neuen Regeln haben es in sich: Statt zwei Begleitern darf jeder Aktive nur noch einen Pfleger mitbringen. In der großen Eventhalle sind nur Reiter und der Pfleger des Pferdes, das gerade im Parcours ist, erlaubt. Verpflegung darf nur noch auf dem LKW verzehrt werden. Doch „the show must go on.“ Da sind sich alle einig.

In den benachbarten Niederlanden hingegen ist Mitte Oktober das letzte Mal für unbestimmte Zeit die Startglocke ertönt. Wegen der angespannten Lage sind Sportveranstaltungen in dem Königreich erneut untersagt. Während im Profisport lediglich der Trainingsbetrieb aufrechterhalten wird, müssen Amateure komplett pausieren (abgesehen von der Versorgung und Bewegung der Pferde). Das gilt inzwischen auch in Belgien: Hobbyreiter über 12 Jahren dürfen nicht an sportlichen Wettkämpfen teilnehmen. In Deutschland gilt das Sportverbot sogar für alle, die ihr Geld nicht Reiten verdienen.

Text und Titelbild: Lena Reichmann

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