Über mich

Über mich

Wie alles begann...
Ronny. Foto: privat

An mein erstes Mal erinnert mich ein vergilbtes Foto. Beim Urlaub auf dem Bauernhof im bayrischen Wald setzten meine Eltern mich auf Lady und es war um mich geschehen. Und obwohl es von mir kaum Kinderfotos gibt (nicht einmal meine Einschulung wurde dokumentiert), entstand ein Bild von diesem magischen Moment. Es zeigt eine strahlende Vierjährige auf dem Rücken eines dicken, schwarzen Shetlandponys.

Leider nahm die Reitschule zu Hause erst Kinder ab sieben Jahren auf und ich musste warten. Auf meine erste Longenstunde auf Caprice – einer viel zu großen, braunen Warmblutstute mit absolut sanftem Gemüt. Als ich etwas sicherer wurde, war das weiße Welshpony Max meine erste große Liebe. Und das, obwohl er bei den anderen Kindern so unbeliebt war, gerne zwickte, bockte und im Galopp einfach durchging.

Meine erste Reitbeteiligung war ebenfalls ein weißes Welshpony. Ronny konnte genau so frech sein wie Max. Sein liebster Streich: Einfach unter dem Zaun des Reitplatzes durch auf die Wiese und mich dabei abstreifen. Drei Jahre lang waren wir ein unschlagbares Team, machten gemeinsam das Gelände unsicher. Dann wurden meine Beine einfach zu lang.

Sweet Like Chocolate

2006, als ich 13 wurde, trat Sweetie in mein Leben. Ich blätterte durch eine Zeitschrift mit Verkaufspferden. Idealvorstellung: Ein junges, solide ausgebildetes Pferd, das mich größentechnisch auch als Erwachsene noch abdeckt. Dann sah ich ein verschwommenes Foto eines Fohlens, das mit aufgestelltem Schweif neben seiner Mutter hertrabte. Sweet Like Chocolate war zu verkaufen, weil sie in den Augen der Farbpferdezüchter eine zu langweilige Fellfarbe hatte. Am Wochenende fuhren meine Eltern mit mir zu den fast 200 Kilometer weit entfernten Züchtern und Sweetie zog noch am selben Abend um.

Sweetie als Fohlen. Foto: privat
Sweetie heute. Foto: Jan Reichmann

Bis zum heutigen Tag habe ich Sweetie komplett selbst ausgebildet, war die einzige, die sie jemals geritten hat. Wir haben unser erstes Turnier bestritten, sie hat mich durch die Prüfung meines großen Reitabzeichens getragen und wir haben unzählige Erfolge gesammelt – in der Dressur, der Vielseitigkeit und in unserer absoluten Paradedisziplin, im Springen, sogar bis zur Klasse L gegen Großpferde.

Mr Sunshine

2012 lernte ich Mr Sunshine kennen. Ich machte meinen Trainer-C-Schein in der Landesreit- und Fahrschule in Langenfeld und er war mein Schulpferd im Springen. Ein Händler hatte ihn in einem furchtbaren Zustand dort abgeliefert. Völlig abgemagert und verängstigt stand das riesige Pferd in seiner Box. An Reiten war kaum zu denken, denn immer wieder packte ihn die Angst und er ging durch. Doch während des dreiwöchigen Lehrgangs fasste „Mr“ Vertrauen, trug mich durch meine Trainerprüfung im Springen und durch den Geländeteil. Gemeinsam mit meinen Eltern entschloss ich mich, ihn zu kaufen und ihm ein liebevolles Zuhause zu geben. Er durfte also direkt nach bestandener Prüfung mitkommen – und bleiben.

Mr während unserer Turnierzeit. Foto: Jan Reichmann

Seine Dankbarkeit zeigte er mir in den folgenden Jahren, wann immer er konnte. Er trug mich durch mein erstes L-Springen, mein erstes M-Springen und durch das Silberne Reitabzeichen. Wir sammelten Schleifen mit der Mannschaft, platzierten uns bei der Kreismeisterschaft und in zahlreichen L- und M-Springen. Und das, obwohl wir uns anfangs so viele böse Kommentare anhören mussten. Seit Ende 2016 genießt Mr seine Aktivrente in vollen Zügen.

Lindbergh
Lindbergh Anfang 2019. Foto: Lena Reichmann

In der Zwischenzeit kam Pferd Nummer drei dazu. Mehr zufällig entdeckte ich Anfang 2014 die Verkaufsanzeige von Lindbergh. Ein Déjà-Vu. Wieder trabte ein schokoladenbraunes Fohlen mit erhobenem Schweif neben seiner Mutter her. Wieder war ich aus unerklärlichen Gründen so fasziniert, das ich die Züchterin anrief. Ich besuchte den Kleinen auf Norderney und verliebte mich sofort in den aufgeweckten Kerl. Zu Beginn der Weidezeit im April holte ich ihn vom hohen Norden in den mittleren Westen.

Seitdem wird es mit ihm nie langweilig. Denn er vereint den Pony-Dickkopf von Max und Ronny, die Menschenbezogenheit von Sweetie und das Springtalent und den Kampfgeist von Mr. So platzierte er sich als dreijähriger Hengst auf Anhieb beim Freispringwettbewerb des Hannoveraner Verbandes. Die erste Turnierluft schnupperte er zum Ende der Saison bei einer Reitpferdeprüfung. Mit einigen Ausbildungsunterbrechungen und viel Weidezeit konnte er dann 2018 als Fünfjähriger (und mittlerweile Wallach) die ersten Erfolge in Springpferde-, Stil- und Zeitspringprüfungen der Klasse A erreichen.

Und heute...

Auch wenn es sich so liest, mein Leben drehte und dreht sich nicht nur um Pferde. Nach dem Abitur habe ich 2013 angefangen, Politikwissenschaft zu studieren. Parallel habe ich gearbeitet, um die Vierbeiner zu finanzieren. Ich habe viele Stunden Nachhilfe und einige Reitstunden gegeben. Am Ende bin ich aber zum Schreiben gekommen und habe meine ersten Artikel geschrieben. Natürlich über Pferde. Aber dabei blieb es nicht und ich fing an, für eine Tageszeitung zu arbeiten. Nebenbei entstand dieses Portal, in dem ich über alles berichten kann, was mit meiner Leidenschaft, den Pferden, zu tun hat. Heute versuche ich also, alles unter einen Helm zu bekommen.

Backstage zum Vorbericht über Apassionata. Foto: Apassionata