Unbequeme Wahrheit für Reiter: Ein Kommentar zum WDR-Bericht

Unbequeme Wahrheit für Reiter: Ein Kommentar zum WDR-Bericht

Bei der Sendung Quarks holte der WDR zum Rundumschlag gegen die Reiterwelt aus. Berechtigte Kritik? Ein Kommentar.

Der WDR hat zum Rundumschlag gegen die Reiterwelt ausgeholt. In einer Folge der Wissenssendung Quarks wurde quasi keine Sparte des Pferdesports geschont: Spitzenreiter sollen ihren Ehrgeiz über das Wohl ihrer Pferde stellen, Freizeitreiter quälen ihre Lieblinge unbewusst und eine große Industrie verdient Milliarden an dem Geschäft mit den Vierbeinern. Das sind, grob zusammengefasst, die Thesen, die Moderator Ralph Caspers in der 45-minütigen Kindersendung zusammen mit Experten belegen wollte.

Sofort nach Sendeschluss reagierten zahllose Reiter in sozialen Netzwerken empört auf die Aussagen des Mannes mit Brille und Pferdehaarallergie. Unjournalistisch sei der Beitrag, seine Aussagen nur Behauptungen, aus dem Zusammenhang gegriffen, ja sogar völlig falsch. Dabei präsentiert der WDR-Bericht Umstände, die auf den selben Plattformen in der Vergangenheit scharf verurteilt wurden: Sportpferde, die auf den Abreiteplätzen großer Turniere mit eingerollten Hälsen und unter vermehrtem Sporeneinsatz auf die Prüfung vorbereitet werden, Freizeitpferde, die ein einsames Leben fristen, eingepfercht in eine kleine Box und ohne Kontakt zu Artgenossen, Händler, für die Tiere nur Waren sind. Kurz: Dinge, die kein Pferdefreund gutheißen sollte.

Warum also die große Empörung? Fühlen sich vielleicht doch einige Reiter von dem Bericht angesprochen? Gar kritisiert?

Der Bericht zeigt Wirkung

Fest steht jedenfalls, dass die in den kurzen Videoausschnitten gezeigten Bilder Zustände zeigen, die im Pferdesport leider genau so zu finden sind. Problematisch ist daran höchstens, dass bei vielen Zuschauern der Eindruck entstanden ist, dass folglich die Mehrheit der Reiter nicht gut mit ihren Pferden umgeht. Etwas, dass gerade Hobbyreiter, die ihr Tier über alles lieben, hart trifft. An dieser Stelle hätten sie sich sicherlich eine etwas differenziertere Darstellung gewünscht.

Trotzdem ist der Bericht richtig und wichtig und kommt genau zum passenden Zeitpunkt. Denn der CHIO steht unmittelbar bevor. Ein Turnier, das in den vergangenen Jahren leider auch wegen unschöner Bilder auf dem Abreiteplatz in den Schlagzeilen stand. Und tatsächlich hat der Veranstalter auf die Kritik des WDR reagiert: In diesem Jahr sollen die Stewards, die Aufsicht an den Vorbereitungsplätzen haben, Westen tragen und so für Zuschauer deutlicher zu erkennen und ansprechbarer sein. Zusätzlich dazu sollen Experten direkt vor Ort für Fragen rund um pferdegerechtes Reiten zur Verfügung stehen. Das teilten FN und Veranstalter am Donnerstag mit.

Die FN nimmt zudem in einer Pressemitteilung Stellung zu dem Beitrag. Sie kritisiert, dass dadurch der Eindruck entstehe, die Mehrheit der Reiter handle nicht im Sinne der Pferde. Der Verband räumt aber ein: „Es werden Missstände in Teilen zu Recht festgestellt.“ Man habe sich allerdings von der Journalisten gewünscht, die Mühen der FN, die Missstände aus der Welt zu schaffen, deutlicher hervorzuheben. 

Bleibt festzuhalten: Der Bericht hat genau das erreicht, was Ralph Caspers sich wohl wünscht: Er hat auf Missstände aufmerksam gemacht und Menschen für einen fairen Umgang mit dem Partner Pferd sensibilisiert. Denn, das sagt Caspers übrigens auch, Pferde und Menschen können gute Freunde sein. Außer natürlich, man reagiert allergisch.

Kommentar: Lena Reichmann

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