Warum Marken Hobbyreiter sponsern

Warum Marken Hobbyreiter sponsern

Influencer gesucht: Immer mehr Amateurreiter erhalten Sponsoringverträge. Das birgt jedoch Risiken für beide Seiten.

Pikeur und Cavallo statten die deutschen Kaderreiter aus, die Trendmarke Spooks versorgt Weltmeisterin Simone Blum mit Kleidung, die Pferde der belgischen Reiter Nicola und Olivier Philippaerts tragen die Buchstaben H&M im Namen und der Waffenhersteller Glock liest seinen Firmennamen sogar im Namen eines Reitsportzentrums. Aus dem Profireitsport sind Sponsoren nicht wegzudenken.

Doch in den vergangenen Jahren erhielten auch immer mehr Hobbyreiter Geld- und Sachleistungen für Werbung. Anders als Berufsreiter vermarkten sie sich aber nicht auf der Turnierbühne, sondern im Netz. Über soziale Medien erreichen Influencer mittlerweile ebenfalls viele potentielle Kunden. Sie rücken deshalb immer stärker in den Fokus einiger Marken. Während die meisten großen Marken noch zögern, Sponsorings an unbekannte Reiter zu vergeben, nutzen kleinere Unternehmen die neue Nische verstärkt für sich.

Schon die Ausschreibung funktioniert als Werbung

Ein Grund dafür ist sicherlich, dass sie sich so mit vergleichsweise geringem finanziellen Aufwand einen positiven Werbeeffekt versprechen. Denn wer über Facebook ein Sponsoringangebot ausschreibt, kann damit rechnen, dass der Beitrag innerhalb kürzester Zeit hundertfach kommentiert und geteilt wird. Ohne einen einzigen Euro investiert zu haben, erreichen Firmen so schon tausende potentielle Kunden. Bei genauerem Hinsehen fällt auf, dass viele der so ausgelobten Verträge nur geringe Sachleistungen umfassen: Der Reiter erhält ein Outfit, dass er möglichst oft tragen soll. Außerdem möchte die Firma unter Fotos verlinkt und erwähnt werden.

Der deutsche olympische Sportbund (DOSB) beobachtet den Trend, stärker auf Hobby- statt Spitzensportler zu setzen ebenfalls. Ein möglicher Grund dafür seien nicht kalkulierbare Risiken bei Leistungssportlern: „Wer keine Leistung bringt, bringt auch keinen Werbeeffekt. Wer sich dopt oder in anderer Weise negativ auffällt, sorgt für negative Schlagzeilen“, heißt es in einer Pressemitteilung des Verbands. Demgegenüber stehe ein wachsendes Interesse an breitensportlichen Veranstaltungen, denn „weite Bevölkerungsteile sind im Breitensport regional engagiert und aktiv“.

Nicht immer geht der Plan auf

Trotzdem birgt das Sponsoring eines Hobbysportlers Risiken. Lea Holz betreibt die kleine Firma „Bemützt“, die unter anderem individuelle und maßangefertigte Fliegenhauben vertreibt. Bis vor einigen Jahren vergab sie kleinere Sachsponsorings an Amateurreiter. „Natürlich möchte man so den Bekanntheitsgrad steigern, aber gerade als junges Unternehmen auch Feedback zu seinen Produkten von anderen Leuten bekommen“, erklärt sie. Ihr sei wichtig gewesen, dass beide Seiten von der Zusammenarbeit profitieren. Doch das war nicht immer so: „Man kann leider auch Pech haben und jemanden sponsern, der letztendlich nur etwas kostenlos haben möchte“, sagt sie.

Der DOSB betont, dass Sponsoring auf einem Rechte- und Pflichtenkatalog beider Seiten basiere. „Sponsoring erwartet, anders als Spenden, eine Gegenleistung für die Unterstützung“, heißt es. Welche Rahmenvereinbarung beide Seiten miteinander treffen, bleibt jedoch ihnen überlassen. Wichtig ist aber, in jedem Fall einen Vertrag zu schließen, der die Bedingungen für die Unterstützung festlegt.

Sponsorreiter im Wettkampf untereinander

Wie unterschiedlich das aussehen kann, zeigt sich am Beispiel des Sponsoringmodells der Firma “Hippo Promotion”. Statt Reiter mit Ausrüstungsgegenständen auszustatten, müssen diese zunächst eine Schabracke der Marke für 40 Euro kaufen. Danach beginnt ein Wettbewerb unter den Sportlern. Denn sie sammeln im Laufe der Turniersaison Punkte für Platzierungen. Wer am Ende des Jahres die meisten Punkte hat, kann Sachpreise und Lehrgänge gewinnen.

Etwa 50 Reiter nehmen nach Angaben der Firma in diesem Jahr am Punktekampf teil, 90 Prozent von ihnen seien keine Profis. Eine Sprecherin des Unternehmens wehrt sich gegen den Vorwurf, die Firma profitiere bei diesem Modell mehr als die teilnehmenden Reiter, die im Zweifel leer ausgehen: „Die Schabracke ist nur eine Absicherung, dass die Sponsoringanfrage auf ernstgemeinter Basis stattgefunden hat.“ Sie sei eine einmalige Investition und könne auch in den Folgejahren genutzt werden. Außerdem gebe die Firma „zahlreiche wertvolle Preise“ an die Gewinner aus.

Auch bekannte Marken zeigen Interesse an Internetstars

Mittlerweile entdecken aber auch große Marken, wie einflussreich Internetstars mit hoher Reichweite sind. „Neben den Championatsreitern arbeiten wir auch sehr eng mit weiteren Markenbotschaftern und Influencern zusammen“, erklärt eine Sprecherin von Pikeur. Grundsätzlich sei die Zusammenarbeit mit Spitzensportlern für die Marke wichtig, um Produkte unter hoher Belastung zu testen, heißt es weiter. Aber: „Wir finden es durchaus positiv, wenn auch Hobbyreiter Sponsoringverträge erhalten.“ Wegen der hohen Nachfrage sei es aber für Firmen mitunter sehr schwierig, aus der Flut an Bewerbern geeignete Kandidaten auszumachen.

Wer sich für ein Sponsoring bewirbt, tut deshalb in jedem Fall gut daran, sich Zeit für seine Bewerbung zu nehmen. Viele Marken haben auf ihrer Webseite bereits einige Anhaltspunkte veröffentlicht, an denen sich Bewerber orientieren können. Punkten können Kandidaten demzufolge mit einer kurzen Vorstellung der eigenen Person und Details zur reiterlichen Laufbahn und zu persönlichen Zielen. Aber auch, warum Reiter gerne eine bestimmte Marke repräsentieren möchte und wie sie sich die Zusammenarbeit vorstellen, interessiert die Sponsoren. Wer viele Follower in sozialen Medien hat und schon seine eigene Marke etabliert hat, kann auch damit punkten.

Text: Lena Reichmann

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