Westnilvirus wird Pferden in Deutschland gefährlich

Westnilvirus wird Pferden in Deutschland gefährlich

Mücken übertragen das Virus beim Blutsaugen. Foto: Egor Kamelev
Das Westnilvirus hat im vergangenen Jahr erstmals Pferde in Deutschland befallen. Experten fürchten, dass es sich in diesem Sommer weiter ausbreitet.

Mit Beginn der Mückensaison müssen Pferdehalter sich auf eine neue Gefahr einstellen. Denn die kleinen Blutsauger sind nicht nur lästig, sie übertragen auch gefährliche Krankheiten. Eine davon ist das Westnilvirus. An der Infektionskrankheit, die, wie der Name andeutet, ihren Ursprung in den Tropen und Subtropen hat, erkrankten im vergangenen Jahr erstmals Pferde in Deutschland.

Das Virus, das normalerweise Vögel befällt, kann über Mücken auch auf Pferde und Menschen übertragen werden. In den allermeisten Fällen bricht die Erkrankung bei diesen sogenannten Fehlwirten jedoch gar nicht aus. Acht Prozent der infizierten Pferde zeigen infolge des Virus starke neurologische Symptome wie Zittern, Stolpern oder Muskelschwäche. Auch ein fiebriger Krankheitsverlauf ist möglich. Bricht die Krankheit aus, ist die Gefahr, dass das Pferd daran stirbt groß. Tropenmediziner sprechen von einer Sterberate von 30 bis 50 Prozent.

Erst infizierte sich ein Vogel, dann Pferde

In den vergangenen Jahren waren bereits infizierte Vögel in anderen europäischen Ländern wie Italien, Griechenland, Ungarn und Rumänien gemeldet worden. Gerade entlang der Routen von Zugvögeln kommt es immer wieder zu Infektionen. Im Sommer 2018 wiesen Tierärzte das Virus zum ersten Mal auch in Deutschland nach – bei einem Bartkauz in Halle/ Saale. Kurze Zeit später erkrankten zwei Pferde in Brandenburg und Sachsen-Anhalt.

Experten des Bundesforschungsinstitus für Tiergesundheit, dem Friedrich-Löffler-Institut, gehen davon aus, dass es nicht bei diesen Einzelfällen bleiben wird. “Angesichts der Erfahrungen, die in europäischen Nachbarländern und den Vereinigten Staaten gemacht wurden, ist davon auszugehen, dass das Virus sich in den kommenden Jahren weiter in Deutschland ausbreiten wird”, heißt es in einer aktuellen Mitteilung.

Die Krankheit ist seit 1937 bekannt
1937 konnte das Virus zum ersten Mal bei einer Frau aus dem Westnildistrikt von Uganda nachgewiesen werden. In Europa trat es erstmals 1960 in Frankreich auf.
2018 erkrankten in Europa zahlreiche Menschen an dem Virus. Bis Ende Oktober zählte die EU-Gesundheitsbehörde knapp 1500 Fälle, 170 Menschen starben (2017 waren es 26). Gehäuft traten Fälle in Serbien und Griechenland auf, aber auch in Italien wurden Infektionen gemeldet.

Gerade in Dürreperioden häufen sich die Fälle, weil sich durch die fehlende Spülung in Flussbetten Pfützen bilden, in denen Mücken sich ideal vermehren können.

Das Virus unterliegt in Deutschland der Meldepflicht.
Impfung bietet keinen vollständigen Schutz

Das Bundes-Landwirtschaftsministerium beobachtet die Entwicklung mit Sorge. Wie auch die Ständige Impfkommission des Friedrich-Löffler-Instituts rät das Ministerium Pferdehaltern in betroffenen Gebieten, ihre Tiere gegen das Virus impfen zu lassen. Für Pferde sind bereits drei Impfstoffe gegen das Westnilfieber auf dem Markt. Sie verhindern nicht, dass Tiere sich infizieren, sollen aber vor schweren Krankheitsverläufen schützen. “Vor Beginn der nächsten Mückensaison Ende Mai 2019 sollte die Grundimmunisierung abgeschlossen sein”, empfiehlt ein Sprecher des Ministeriums.

Sollte sich die Annahme der Wissenschaftlter bewahrheiten und die Ausbreitung des Virus weiter voranschreiten, sei die Impfung mittelfristig im gesamten Bundesgebiet zu empfehlen, heißt es. Eine Impfpflicht schließen Experten zum jetztigen Zeitpunkt jedoch aus.

Ansteckungsgefahr ist gering
Da das Virus über das Blut übertragen wird, ist eine Ansteckung unter Pferden unwahrscheinlich. Foto: Zahaoha

Dass erkrankte Tiere ihre Stallgenossen anstecken ist übrigens quasi unmöglich, denn das Virus wird über das Blut übertragen. Auch Menschen können sich deshalb nicht bei ihrem Pferd anstecken. Über einen Mückenstich können sie allerdings auch infiziert werden. Dann verläuft die Infektion zwar in den meisten Fällen ohne Symptome, 0,5 Prozent der Betroffenen entwickeln jedoch eine lebensgefährliche Hirnhautentzündung. Eine Impfung gibt es für Menschen nicht.

Text: Lena Reichmann

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.