Wie der Turniersport in der Pandemie leidet

Wie der Turniersport in der Pandemie leidet

Weniger Turniere, weniger Prüfungen, dafür mehr Late-Entries: Das sind die Gewinner und Verlierer der Corona-Krise.

Vier Monate Lockdown und in den übrigen strenge Hygieneauflagen: Gut ein Jahr dauert die Corona-Pandemie inzwischen an und auch im Pferdesport in Deutschland haben sich die Folgen bemerkbar gemacht. Die Reiterliche Vereinigung (FN) hat schon vor Veröffentlichung ihres Jahresberichts erste Zahlen zum Turniersport und zur Pferdezucht im Jahr 2020 bekanntgegeben. Pferde-Reich fasst die wichtigsten Trends zusammen.

Zahl der Turniere sinkt um fast 50 Prozent

Ohne Frage waren die Auflagen streng, unter denen zumindest in den Sommermonaten Turniere stattfinden konnten. Doch nicht alle Veranstalter haben sich davon abhalten lassen. Immerhin 1880 nationale Turniere fanden 2020 statt. Das entspricht etwa der Hälfte des Vorjahres. „Wie vermutet, ist vor allem der ‚professionelle‘ Turniersport vergleichsweise gut in der Krise zurechtgekommen. Der schon vorher bestehende Trend zu sogenannten ‚Arbeitsturnieren‘, bei denen die Aktiven weitgehend unter sich sind, wurde durch die Pandemie weiter verstärkt. Dagegen haben die Einschränkungen die Amateure besonders hart getroffen“, zieht Fritz Otto-Erley, Leiter der Abteilung Turniersport der FN, ein erstes Fazit.

Daten: FN

Die sich ständig verändernde Situation hat eine langfristige Planung oft unmöglich gemacht. Das hat einen weiteren Trend beschleunigt: Im Vergleich zu 2019 gab es doppelt so viele Late-Entry-Turniere. Insgesamt 698 dieser „Last-Minute-Veranstaltungen“ wurden 2020 ausgeschrieben – ein Anteil von mehr als einem Drittel. „Not macht erfinderisch, das haben wir in der Krise auch gemerkt. So haben noch mehr Veranstalter im Jahr 2020 ein Geschäftsmodell daraus entwickelt, Turniere in Serie anzubieten. Diese gab es zwar auch schon vor Corona, aber nicht in dieser Fülle“, sagt Fritz Otto-Erley.

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Professionelle Pferdesportzentren dominieren das Angebot

Spitzenreiter in Sachen Late-Entry-Turnieren war Westfalen mit 132 Veranstaltungen, gefolgt von Baden-Württemberg (120), Hannover (106) und dem Rheinland (103). Ausrichter waren vor allem professionell geführte Betriebe wie die verbandsgeführten Pferdesportzentren in Elmshorn, Langenfeld, Münster-Handorf, Verden, Warendorf oder Zweibrücken. Aber auch große privat geführte Anlagen, etwa in Darmstadt-Kranichstein, Halver, Hamm-Rhynern, Holle-Wüsting, Luhmühlen, Riesenbeck, Wipperfürth oder Zeven schrieben regelmäßig Wettkämpfe aus.

Das Turnierangebot hat gezeigt, dass das Veranstalten von Turnieren ohne Zuschauer vor allem mit einem überschaubaren personellen Aufwand möglich ist, sofern die entsprechende Infrastruktur steht“, sagt Otto-Erley. „Die Möglichkeit, einen Corona-Zuschuss von den Reitern zu erheben, hat aber sicher ebenfalls dazu beigetragen.“ Viele Veranstalter zahlten außerdem weniger Preisgeld aus: Flossen noch 2019 rund 88 Prozent der ausgeschriebenen Geldpreise in die Tasche der Pferdebesitzer, waren es 2020 noch 69 Prozent. Insgesamt wurden 8.682.515 Euro ausgeschüttet.

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Prüfungsangebot für Nachwuchsreiter und Amateure eingebrochen

Während die Late-Entry-Turniere einen wahren Boom erlebt haben, haben die klassischen gemischten LPO-/WBO-Turniere besonders gelitten. Ihre Zahl sank von 2505 im Jahr 2019 auf weniger als ein Drittel (809). Und auch ein Blick auf die ausgeschrieben Prüfungsklassen zeichnet ein düsteres Bild für den Nachwuchs: So waren es die S-Prüfungen, die mit 47 Prozent den geringsten Rückgang verzeichnen mussten. In den Klassen A und E fiel das Angebot mit einem Minus von 64 beziehungsweise 66 Prozent hingegen am größten aus. Noch verheerender wirkte sich die Pandemie auf das Voltigieren als Kontaktsportart aus. Die Zahl der nationalen und internationalen Voltigierveranstaltungen ging von 220 auf 16 zurück, die Zahl der Prüfungen sank um rund 93 Prozent.

Weniger Jahresturnierlizenzen und Pferdefortschreibungen

Die fehlenden Startmöglichkeiten haben sich auch negativ auf die Zahl der Jahresturnierlizenzen und Pferdefortschreibungen ausgewirkt. Beide sanken um rund 16 Prozent. „Die dennoch recht hohen Zahlen hängen damit zusammen, dass zu Beginn des Jahres 2020 keiner mit einer Pandemie rechnen konnte“, sagt Otto-Erley. Im laufenden Jahr verhalten sich die Reiter daher eher abwartend. Bis Februar 2021 wurden verglichen mit Februar 2020 gerade einmal 43 Prozent Jahresturnierlizenzen ausgestellt und auch nur 55 Prozent Turnierpferde fortgeschrieben.

Warmblutzucht mit leichtem Minus

Anders als im Sport hat sich die Corona-Pandemie bisher kaum auf die deutsche Pferdezucht ausgewirkt. „Erfreulicherweise hat die Zucht trotz der Einschränkungen nur ein leichtes Minus im Vergleich zu dem Vorjahr hinnehmen müssen. Aber es ist natürlich noch nicht abzusehen, wie sich die Folgen langfristig auf den Markt und damit auch die Pferdezucht auswirken werden“, sagt Dr. Klaus Miesner, Geschäftsführer des Bereichs Zucht der FN.

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Mit 25.709 Fohlen gab es in der Warmblutzucht exakt so viel Nachwuchs wie im Vorjahr. 2021 werden hingegen weniger Fohlen erwartet: Die Zahl der Bedeckungen ist um gut 1000 auf 29.692 zurückgegangen. Außerdem gibt es 1,2 Prozent weniger eingetragene Zuchtstuten. Die Zahl der Vererber ist hingegen minimal angestiegen. 2318 Hengste und damit 13 mehr als im Vorjahr sind in Deutschland zur Zucht zugelassen. In der Kaltblutzucht gab es ähnliche Tendenzen. Die Pony- und Kleinpferdezucht hingegen verzeichnete mit 8,2 Prozent ein deutliches Plus bei den Bedeckungen.

Text: Lena Reichmann mit fn-press; Titelbild: © Lena Reichmann

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